Mit dem High-Tech Gründerfonds im Rücken will sich Agora Innovation aus Frankfurt den Markt für Blockchain-Token erschließen. Anderen Investoren war das Thema zu heiß. 

Das Frankfurter Blockchain-Start-up Agora Innovation hat sich ein erstes Investment in Höhe von 750.000 Euro gesichert. Alleiniger Investor der Seed-Finanzierungsrunde ist der halbstaatliche Frühphasenfinanzierer High-Tech Gründerfonds (HTGF), wie das Unternehmen heute bekanntgab. Mit Hilfe des frischen Kapitals will das Fintech bis Ende des Jahres von derzeit neun auf mindestens 15 Mitarbeiter wachsen, sagte Gründer und Geschäftsführer Phong Dao im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Zudem ermögliche das Geld dem Start-up, seine Software zur Marktreife zu bringen.

Agora Innovation unterstützt andere Unternehmen dabei, sich über sogenannte Blockchain-Token zu finanzieren. Als Kunden gewinnen will das Frankfurter Fintech unter anderem Start-ups, die Kapital suchen, um Prototypen weiterentwickeln zu können – sofern sie bereits erste Umsätze vorzuweisen haben. So funktioniert die neue Art der Finanzierung: Das sogenannte Security-Token-Offering (STO) ist vergleichbar mit der Ausgabe einer Anleihe. Investoren kaufen dabei Schuldscheine und stellen dem Unternehmen dadurch Fremdkapital für seine Projekte zur Verfügung.

Dabei spezialisiert sich Agora auf besondere Schuldverschreibungen – Wertpapiere in Form von Security Token, die über die Blockchain laufen. Investor HTGF sieht Potenzial für die Zukunft: Viele Vermögensgegenstände wie Immobilien, Unternehmensanteile, Kunstgegenstände und Rohstoffe werden künftig in Form von Token abgebildet, erwartet HTGF-Geschäftsführer Alex von Frankenberg: „Ein wichtiger Baustein dazu wird die Lösung von Agora Innovation sein”, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren.

Fokus auf Rechtssicherheit im internationalen Raum

Die Kernaufgabe des 2017 gegründeten Fintechs: Eine technologische Hilfe für Unternehmenskunden entwickeln, die sich bei einem STO auf rechtlich sicherem Boden bewegen wollen. Damit beim Handel mit Wertpapieren in Token-Form keine Gesetze verletzt werden, können Firmen über die Agora-Plattform beispielsweise steuern, ob ein Token über Ländergrenzen hinweg gehandelt werden darf. Bei internationalen Transfers herrsche derzeit die meiste Unsicherheit, so Gründer Phong Dao. Für die Nutzung der Plattform und Beratung bezahlen Kunden eine Gebühr.

Erste Unternehmen schließe das Start-up bereits an die Plattform an, noch seien es aber weniger als fünf Kunden. Im März will der 35-jährige Geschäftsführer eine erste Produktversion auf der Krypto-Konferenz „Token 2049“ in Hongkong vorstellen. Im Mai soll eine Vollversion auf den Markt kommen, mit Auftakt auf der Consensus-Konferenz in New York. Bis dahin sucht der Gründer mit Co-Geschäftsführer Robert Malec nach Partnern, die mit Jura-Know-how weiterhelfen können. Anwälte aus den USA, Hongkong, Schweiz und Estland seien bereits als Berater gewonnen – Ziel sei es, rechtliche Vorgaben aus den wichtigsten Jurisdiktionen in das Programm zu integrieren, so Dao.

Der Markt für Blockchain-Token: Für einige potenzielle Investoren war das Thema zu heiß, wie der Agora-Gründer berichtet. Denn bis vor einer Woche waren die Zukunftsaussichten für Finanzierungen per STO noch unklar. Eine Entscheidung der Finanzaufsicht Bafin, dem Berliner Blockchain-Start-up Bitbond den Handel mit digitalisierten Anteilen zu erlauben, dürfte neue Dynamik erzeugen: „Dass die Bafin letzte Woche ein erstes Security-Token-Offering genehmigt hat, zeigt, dass sich der Regulator in Deutschland für die Thematik öffnet und ein Markt am Kommen ist“, sagt Agora-Gründer Dao. „Wir wollen uns dort als erste technologische Plattform für international regulierte und gesetzeskonforme Security-Token-Transaktionen aufstellen.“

Kritik an Token-Finanzierungen

Der Geschäftsführer des Fintechs sieht bei STOs geringere Risiken als bei sogenannten ICOs („Initial Coin Offerings“), die in den vergangenen Jahren immer wieder aufgrund mangelnder Regulierung in der Kritik standen. „Anders als beim ICO wird nicht rein auf ein Versprechen für ein zukünftiges Produkt gesetzt, sondern es existiert hinter dem Security-Token ein realer Vermögensgegenstand. Dadurch wird das Risiko für Investoren reduziert“, so Dao.

Negative Schlagzeilen gab es im Zusammenhang mit Token-Finanzierungen immer wieder. Erst vor einer Woche wurde bekannt, dass die Finanzaufsicht Bafin ein ICO des Unternehmens Rise vorsorglich gestoppt hat, wie das Handelsblatt berichtete.