An der Schnittstelle von additiver Fertigung und Elektromobilität will das Start-up punkten. Mit der ersten Millionen-Finanzierung strebt das Team aus Sachsen nun einen schnellen Markttest an.

Es geht los mit elektrisch angetriebenen Formel-Rennwagen oder E-Bikes – aber auch Kehrmaschinen oder Werkzeuge könnten folgen: Das frisch gegründete Additive Drives will dazu beitragen, einer ganzen Reihe von elektrischen Antrieben einen Leistungsschub zu verpassen. Dafür setzt das Start-up auf eine additive Fertigung von zentralen Teilen eines Elektromotors. In der Fertigung, die im Umfeld der Technischen Universität Freiberg in Sachsen angesiedelt ist, wird Kupfer im 3D-Druckverfahren verarbeitet. „So haben wir zum einen eine enorme Designfreiheit, um Entwürfe zu testen“, berichtet Mitgründer Philipp Arnold, „zum anderen können wir die Leistungsdichte bei bestehenden Designs deutlich verbessern.“

Der Druck selbst ist dabei nur ein Schritt in der Wertschöpfungskette. Im Anschluss kümmert sich Additive Drives auch noch um die Bearbeitung und Isolierung der Oberflächen. Erster Ansprechpartner sind aktuell dabei vor allem Autohersteller und zentrale Zulieferer – die tüfteln unter Hochdruck an leistungsfähigen Elektromotoren. Auf Sicht sieht das Team aber deutlich mehr Anwendungsfälle: „Die Bandbreite ist groß: Von der Mikromobilität und die Luftfahrt über die Elektrifizierung von Sportgeräten bis hin zur Robotik“, sagt Arnold. Bis zu 45 Prozent mehr Performance, so verspricht es Additive Drives, seien durch die Entwicklungsmethode möglich.

Feedback für die 3D-Bauteile

Die Herausforderung: Die additive Fertigung bietet große Freiheiten, wenn es um neue Konstruktionsformen geht. Sind dagegen hohe Stückzahlen in kurzer Zeit zu niedrigen Preisen gefragt, fällt diese Produktionsmethode in aller Regel zurück. Arnold rechnet damit, dass konventionelle und additive Fertigung daher in Zukunft kombiniert werden könnten: „Es geht nicht darum, den ganzen Elektromotor zu drucken – sondern die Teile von besonders hoher Komplexität.“

Das vierköpfige Gründerteam, zu dem noch Lasse Berling, Jakob Jung und Axel Helm gehören, bringt Erfahrung aus der additiven Fertigung und der Automobibranche mit. Die Technologie wird über ein Exist-Stipendium an der TU Freiberg weiterentwickelt. Parallel ist das Start-up im Juli dieses Jahres losgelaufen, um sich auf die Suche nach ersten Kunden zu machen. „Wir sind schnell an den Markt“, sagt Arnold, „man braucht das ehrliche Feedback, sonst entwickelt man den Zielgruppen vorbei.“

Millionen-Finanzierung von Spezial-VC

Die ersten Umsätze für dieses Jahr sind dabei schon sicher. Um jedoch schneller wachsen zu können, hat Additive Drives nun eine Anschub-Finanzierung abgeschlossen. Der auf 3D-Druck-Themen spezialisierte Risikokapitalgeber AM Ventures unterstützt das Dresdner Start-up mit einer siebenstelligen Summe. „Wir wollten uns mit der ersten Finanzierung die Unabhängigkeit erhalten und gleichzeitig auf die Expertise des führenden AM Investors zurückgreifen“, sagt Arnold. Denn mit der Technologie ist das junge Unternehmen natürlich auch ein harter Konkurrent – oder ein möglicher Übernahmekandidat – für größere Unternehmen, etwa aus der Zuliefererbranche.

Rund um den industriellen 3D-Druck positionieren sich eine ganze Reihe an deutschen Start-ups. An Aim3D hat sich etwa bereits vor zwei Jahren der Automobilzulieferer Brose beteiligt. Druckerhersteller wie BigRep haben ebenfalls mehrere strategische Investoren an Bord. Das Team von DyeMansion spezialisiert sich auf die Oberflächenbearbeitung von additiv gefertigten Bauteilen.