Frauen, die programmieren, sind nach wie vor eine Seltenheit. Aber Pionierin Ada Lovelace wäre stolz auf die gewesen, die sich in die Männerwelt getraut haben.

Es ist eine Veranstaltung, die eher eine Männer- als eine Frauenquote braucht: das Ada Lovelace Festival in Berlin. Unter die knapp 200 Frauen haben sich nur wenige Männer gemischt und auch in den Jutebeuteln finden sich mit Haarspray, Mascara und einer Anti-Aging-Creme Dinge, die die meisten Männer eher weniger brauchen. Einige der Teilnehmerinnen fragen sich, ob das wirklich sein muss auf einer Tech-Konferenz. Sei es drum.

Aber es ist in vielerlei Hinsicht eine ungewöhnliche Konferenz – und selbst wenn sie in erster Linie an Frauen gerichtet ist, so wird auf dem Festival am ersten Tag nicht vordergründig über Frauenthemen, sondern viel mehr über Tech-Themen gesprochen. Ganz in der Tradition der Namensgeberin.

Wenn aus Stephanie „Steve“ wird

Ada Lovelace, uneheliche Tochter des britischen Dichters Lord Byron, setzte sich bereits im 19. Jahrhundert als Mathematikerin auf einem männerdominierten Feld durch. Dafür trickste sie auch mit ihrem Namen. Lovelace kürzte ihren Namen mit den Initialen A.A.L. ab und versteckte damit indirekt ihre Weiblichkeit.

In dieser Hinsicht teilt sie eine Gemeinsamkeit mit Dame Stephanie Shirley, der Gründerin der 1962 aufgebauten Softwarefirma F. International. Weil niemand mit einer Frau Geschäfte machen wollte, griff auch Shirley zu diesem Trick: Auf dem Briefkopf ihrer Firma stand mit „Steve“ die männliche Form von Stephanie – und sie unterschrieb auch nur mit diesem Namen.

Heute müssen sich weder Ada Lovelace noch Stephanie Shirley verstecken: Beide sind Vorreiterinnen, Tech-Pionierinnen, und haben sich ihren Respekt – auch bei den Männern – verdient. Eigentlich soll Shirley beim „Ada Lovelace Festival“ des Euroforums und der WirtschaftsWoche in Berlin die Eröffnungsrede halten, muss aus gesundheitlichen Gründen aber kurzfristig absagen. In ihrer Videobotschaft, die auf eine große Leinwand projiziert wird, bedauert sie das sehr, schickt mit Eileen Hopkins aber eine würdige Vertreterin.

Die Vorstandschefin von AI Media, einem Unternehmen, das Live-Untertitel für das Fernsehen, Unternehmen, Behörden und die Regierung anbietet, vor allem aber Menschen mit Autismus fördern möchte, macht in ihrer Rede deutlich, was Stephanie Shirley auszeichnet – und wie ihr der Aufstieg als Frau in einer Männerdomäne geglückt ist: Mit Kampf und Fairness. Der Name „Steve“ ist bis heute geblieben, wie die langjährige Freundin, Eileen Hopkins, versichert.

Wie wir noch mehr Frauen wie Ada Lovelace und Stephanie Shirley bekommen, beschrieb Linda Liukas „In welche Richtung sich Jungen und Mädchen entwickeln, entscheidet sich bereits im Alter von sechs Jahren“, sagt die Finnin,  die sich selbst als Autorin, Illustratorin und Programmiererin bezeichnet und aus einer Laune heraus ein Start-up gegründet hat, das mittlerweile richtig erfolgreich ist.

Als Jugendliche hatte sie eine Leidenschaft für Al Gore, der damals amerikanischer Vizepräsident war – und weil sie, das kleine Mädchen aus Helsinki, ihm nicht wirklich näher kommen konnte, programmierte sie eine Webseite für ihn, lange bevor es Tumblr und Pinterest gab. Die Schritte bis zur vollständigen Seite hat sie sich selbst beigebracht – und ganz nebenbei ihre Leidenschaft für das Programmieren entdeckt.

„Take the first step“

2010 gründete sie Rails Girls, um Mädchen und junge Frauen für ihre Leidenschaft zu begeistern, mittlerweile gibt es das Projekt nicht nur in Finnland, sondern auch weltweit, unter anderem in Singapur, Berlin, Taipeh. In einem Workshop lernen die jungen Frauen Programmieren mit dem Web-Framework „Ruby on Rails“ und können dabei eine eigene App entwickeln. Aber Linda Liukas will noch mehr Frauen zum Programmieren bringen – und schrieb einen Comic namens „Hello Ruby“, in dem Ruby den Kindern und Jugendlichen erklärt, wie das eigentlich geht.

Eine Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung schlug alle Rekorde und sammelte schon in den ersten anderhalbt Stunden mehrere 10.000 US-Dollar ein: „Ich ahnte nicht, dass das damals so einen Erfolg haben würde“, sagt Linda Liukas auf der Konferenz. Das Buch macht mittlerweile 20 Prozent der Buchverkäufe in Finnland aus und soll demnächst auch auf Deutsch, Chinesisch und Polnisch erscheinen.

Zum Schluss gab sie noch einen Tipp, all denen, die vielleicht zögern, etwas eigenes aufzubauen oder jenen, die sich in einer männerdominierten Branche durchsetzen müssen: „Take the first step.“ Ein Aufruf an alle Frauen.