Das Rosenheimer Start-up setzt auf eine Kombination aus einem ansteckbaren Sensor und Fitness-Software, um Rückenschmerzen vorzubeugen.

Zu wenig Bewegung, krummes Sitzen: Wer den Arbeitstag größtenteils auf dem Bürostuhl verbringt, klagt oft über Rückenschmerzen. Linderung versprechen Ralf Seeland und Christoph Tischner mit ihrem Start-up 8sense. Die beiden Wirtschaftsingenieure haben einen Sensor-Clip entwickelt, der bei ungesunden Sitzhaltungen vibriert – und Trainingsübungen überwacht, die die Muskulatur stärken sollen.

Noch vor dem Marktstart hat 8sense nun zwei neue Investoren gewonnen: Der halbstaatliche High-Tech Gründerfonds (HTGF) und der Medizinfachverlag Thieme unterstützen das in Rosenheim ansässige Start-up mit einem Millionen-Betrag. Schon länger beteiligt an 8sense ist das auf Medizinprodukte spezialisierte Familienunternehmen Beurer aus Ulm. Auch ein Business Angel hat investiert.

Das finanzielle Polster ist für das vor zwei Jahren gegründete Start-up ungewohnt: Nach einer abgebrochenen Crowdfunding-Kampagne Ende 2017 habe 8sense die Insolvenz gedroht, wie Tischner im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer berichtet. An der Finanzierungsmethode lässt er kein gutes Haar. „Wir haben gelernt, dass man professionelle Agenturen braucht, um die nötige Aufmerksamkeit für seine Kampagne zu erzeugen“, so Tischner. „Wir waren damals nicht dazu bereit, einen Anteil von 30 Prozent an den erhofften Einnahmen dafür auszugeben.“

Kooperationen für den Vertrieb

Gestärkt durch die aktuelle Finanzierungsrunde, will 8sense eine erste größere Charge nun bis zum April produziert haben. Aktuell ist der Sensor zu einem Preis von 80 Euro vorbestellbar. Das Gerät wird hinten an den Kragen von Hemden, Blusen oder T-Shirts gesteckt. Damit, so verspricht das Start-up, könne die Rückenhaltung präzise überwacht werden. Die Ursprungsidee sei ein mit Sensoren versetztes T-Shirt gewesen, sagt Tischner. „Das Produkt wäre aber zu teuer und umständlich geworden.“

Den Sensor-Clip will 8sense außer über die eigene Homepage auch im Handel vertreiben – zusammen mit dem Investor Beurer. Eine Kooperation gibt es auch mit dem Büromöbelhersteller Dauphin, der den Sensor in ergonomische Stühle integrieren will. Darüber hinaus zielt das Start-up auf Unternehmen, die den digitalen Rückencoach im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagement einsetzen wollen. „Wir stehen dazu auch mit über 35 Krankenkassen im Gespräch“, sagt Tischner. Parallel tüftelt das 15-köpfige Start-up schon an neuen Ideen. Angedacht sei etwa eine Kombination aus Sensor und Software, die zu einem konzentrierten Arbeiten motiviert.