Das Start-up will Online-Händlern dabei helfen, einen lukrativeren Preis für ihre Waren zu finden. Dabei setzen die Berliner auf KI statt klar definierte Regeln. Investoren sorgen jetzt für mehr Tempo.

Ob Gartengeräte, neuer Fernseher oder Homeoffice-Bedarf: Als in der Coronakrise die Geschäfte schließen mussten, schlug die große Stunde des Online-Handels. Doch auch die Unternehmen mit Webshop stehen vor großen Herausforderungen: Wie besteht man im Wettbewerb mit Amazon, welche Marketing-Kanäle bringen Kunden – und welcher Preis sorgt gleichzeitig für Nachfrage und ausreichenden Gewinn? Bei dieser Frage will das Start-up 7Learnings helfen. Die Berliner haben eine Software entwickelt, die den Händlern ausgehend vom angestrebten Umsatz oder Gewinn den passenden Preis pro Produkt errechnet.

Die Herausforderung an sich ist nicht neu. Und eine ganze Armada von Dienstleistern und Software-Anbietern präsentieren sich als Preisoptimierer. 7Learnings glaubt dennoch an seine Chance: Bei den meisten anderen Anbietern gehe es um regelbasierte Presfindung, sagt Mitgründer Eiko van Hettinga. Das bedeutet: Händler definieren etwa eine angestrebte Marge oder wollen Wettbewerber bei bestimmten Produkten unterbieten.

Fokus auf den E-Commerce-Mittelstand

Bei 7Learnings steht nach eigenen Angaben ein Algorithmus im Fokus, der die Preiselastizität berücksichtigt – also die Frage, wo Kunden wirklich auf eine Senkung reagieren. „Sonst kann es sein, dass man dem Kunden einen Rabatt auf seine Zahlungsbereitschaft gibt“, sagt van Hettinga. Die Daten dazu stammen von den Händlern selbst, manchmal angereichert, etwa mit Informationen über wetterabhängige Verkaufszahlen.

Zielgruppe sind dabei im Moment Online-Händler, die bereits mehr als 20 Millionen Euro Umsatz machen. Perspektivisch will das Start-up seine Software auch an kleinere Anbieter lizensieren. Die inhaltliche Idee stammt von Felix Hoffmann, der mit Martin Nowak das Gründertrio komplettiert. Hoffmann war zuvor beim Fashion-Händler Zalando mit für die Entwicklung des Preis-Algorithmus verantwortlich. 7Learnings will diese Möglichkeit in die Breite des E-Commerce tragen. Auf eine solche Strategie in einem ganz anderen Bereich setzt etwa Personio: Das Münchener Start-up entwickelt Software für die Personalabteilung – und setzt explizit nicht nur auf große Kunden, sondern auch auf die Breite des Mittelstands.

Damit die KI ihre Kraft entwickeln kann, stehen bei 7Learnings aber besonders Händler im Fokus, die viele Artikel führen – und häufig an der Preisschreibe drehen müssen oder wollen. „Bei fünf Produkten lohnt es sich nicht, den Machine-Learning-Algorithmus anzustrengen“, sagt van Hettinga. Die Software schlägt pro Produkt einen individuellen Preis vor: „20% auf alles gehört damit der Vergangenheit an“ sagt Hoffmann.

Der HTGF steigt ein

Nach eigenen Angaben arbeitet das 2019 gegründete Start-up mit aktuell zehn Mitarbeitern bereits profitabel. Dennoch holen sich die Gründer nun neue Gesellschafter an Bord: Der Frühphaseninvestor High-Tech Gründerfonds führt eine Finanzierungsrunde in ungenannter Höhe an. „Auf Basis neuester Technologien werden bei überschaubarem Aufwand großes Potential für die Kunden erschlossen, ohne eine eigene Data Science Abteilungen aufbauen zu müssen“, lobt HTGF-Manager Martin Möllmann die Idee des Teams. Zudem beteiligen sich private Investoren, etwa Macquaire-Manageer Elmar Broscheit und Intersport-Aufsichtsrat Harald Schedl.

Mit dem neuen Kapital wolle man nun zum einen Marketing und Vertrieb ausbauen, so van Hettinga: „Die Technologie diffundiert gerade in den Markt – da wollen wir nun Gas geben“. Zum anderen soll auch die Software noch weiter ausgebaut werden. Aus dem Wissen über einen passenden Preis ließen sich etwa auch Entscheidungen treffen, wieviel Geld in das Marketing für ein bestimmtes Produkt gesteckt werden sollte – oder ob ein kräftiger Rabatt nicht mehr bringt.