Mit 26 Millionen Euro an frischem Kapital will sich der Softwareanbieter Wunder in Hamburg um 100 Mitarbeiter verstärken. Wie er das Wachstum stemmen will, erklärt Gründer Gunnar Froh im Interview.

Das Hamburger Start-up Wunder will nach einem Fehlstart wieder auf dem deutschen Markt angreifen. Mit der ursprünglichen Idee, einen bezahlten Mitfahr-Dienst anzubieten, ist das Team hierzulande an den strengen Personenbeförderungsgesetzen gescheitert. Nach der Gründung 2014 hat sich die junge Firma deshalb darauf fokussiert, ihre Konzepte in Millionenstädten im Ausland umzusetzen – etwa in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, Rio de Janeiro in Brasilien und der indischen Tech-Metropole Bangalore. Jetzt kehrt der Softwareentwickler mit neuem Fokus zurück und will sich bei Kunden in Deutschland bekannter machen.

Wunder entwickelt eine Software für verschiedene Mobilitätsangebote: Beispielsweise hilft die Plattform Nutzern dabei, ein Shuttle oder eine Mitfahrgelegenheit für Kurzstrecken in der Stadt zu finden – oder den Weg zur Arbeit zusammen mit anderen Pendlern zu organisieren. Außerdem steuert die Software Sharing-Dienste für Fahrräder, Elektroroller und Autos. Nach eigenen Angaben wickelt Wunder weltweit eine Million Fahrten im Monat ab. Investoren steigen gerne ein und stecken hohe Summen in das Start-up: 26 Millionen Euro geben sie für weiteres Wachstum aus, wie Wunder Anfang des Monats bekanntgab.

Programmierer gesucht

Gründer und Geschäftsführer Gunnar Froh hält nun Ausschau nach 100 neuen Mitarbeitern – und einem größeren Büro in Hamburg. Erfahrung hat er bereits beim Proptech-Start-up Airbnb gesammelt, wo er vor der Gründung von Wunder für fast drei Jahre angestellt war. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt Gunnar Froh, wie er das starke Wachstum nun mit seinem Start-up-Team in Deutschland bewältigen will – und woher das nötige Personal kommen soll.

Herr Froh, mit zusätzlichen 26 Millionen Euro wollen Sie Ihr Team stark aufstocken: von 50 in diesem Sommer auf 150 Mitarbeiter in zwölf Monaten. Warum muss das so schnell gehen?
Wir wollen eine Art Amazon für Mobilität werden – und das bedeutet extrem viel Arbeit. An unserer Produkt-Roadmap lässt sich genau erkennen, wie viele Programmierer wir in den kommenden Monaten zusätzlich brauchen. Das klingt erst einmal nach einem großen Schritt von 50 auf 150 Mitarbeiter. Aber im Vergleich ist das Tempo noch recht niedrig. Bei Airbnb habe ich einen viel extremeren Übergang miterlebt: Wir sind damals innerhalb von drei Jahren von 35 Leuten auf 1.500 gewachsen.

Was haben Sie aus der Erfahrung mitgenommen?
Ich habe in der Zeit viele Entwicklungen beobachtet und weiß daher, was bei so einem starkem Wachstum im Team passieren kann. Zur Unterstützung arbeiten wir bei Wunder jetzt mit dem Coach der Airbnb-Gründer. Seit zwei Jahren kommt er regelmäßig vorbei, zusätzlich telefonieren wir einmal die Woche. Er kennt unser Team genau und kann deshalb potenzielle Probleme vorhersehen. Dann lenken wir gemeinsam um.

Welche Fehler wollen Sie bei Wunder verhindern?
Wir sind acht Leute im Leadership-Team und wir lernen gerade alle, anders zu arbeiten als noch vor einem Jahr. Bei 60 bis 80 Mitarbeitern kommt man an einen Punkt, an dem man seine Arbeitsweise als Gründer anpassen sollte. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, mich nicht mit einzelnen Problemen zu beschäftigen. Als Führungskraft muss ich mich stärker darauf konzentrieren, wie sich Engpässe vermeiden lassen. Und wie ich das Team so aufbaue, dass es Herausforderungen selbst bewältigen kann. Wir arbeiten jetzt im Leadership-Team am System, und weniger an den konkreten Problemen.

Wie schwer fällt es Ihnen, sich zurückzuhalten?
Es ist ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass das Team aus Experten besteht, die in ihrem Bereich besser sind, als ich es sein könnte. Wenn das Team von selbst Lösungen findet, fühle ich mich so, als könnte ich an mehreren Orten gleichzeitig sein. Aber es klappt auch nicht immer, sich zum Beispiel von Meetings fernzuhalten.

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