Der Fokus liegt ganz klar auf dem Verkauf der fertigen Formulare. Möchte man sich beispielsweise von einer Prüfung abmelden, sich aber nicht durch den Dschungel der Unibürokratie schlagen, so kann man sich bei Studienscheiss für 3,50 Euro ein vorgefertigtes Formular runterladen, ausfüllen und abschicken. Laut Reichel dauert dies alles etwa fünf Minuten. Der große Vorteil an den Formularen ist, dass man bereits fertige Begründungen mit dem Produkt geliefert bekommt.

„Wir wollen den Studierenden die Angst vor der Bürokratie nehmen und mit ihnen ebenbürtig kommunizieren. Jeder Student hat mindestens einmal in seinem Studium Probleme mit der Prüfungsordnung – dann sind wir zur Stelle“, so der 27-jährige. Als weiteres Ziel möchte der Jungunternehmer neben seiner Website auch ein Produkt für die Appstores auf den Markt bringen. Dabei ist es ihm besonders wichtig, immer im Kontakt mit seinen Kunden zu sein. Feedback sei für ihn sehr wichtig und bringe ihn auf neue Ideen.

Eva Lutz findet dieses Verhalten genau richtig. Es sei wichtig, sich eine konstruktive Rückmeldung der Kunden zu holen. „Viele Studententeams treten ihr Projekt an, wollen alles direkt ausfeilen und Details planen. Doch ich rate immer erst einmal einen Prototyp zu entwerfen, sich Meinungen von Fremden einzuholen und dann mit dieser Kritik das Produkt weiterzuentwickeln“, so Lutz. „Kunden schätzen das Produkt ganz anders ein, sie sind unvoreingenommen und ehrlich. Außerdem bekommt man so einen Überblick über den Markt und die Erkenntnis, ob das Produkt sinnvoll ist“, sagt die Inhaberin der Riesner-Stiftungsprofessur.

Zwei weitere Probleme bei der Unternehmensgründung seien die Kommunikation im Team und die Finanzierung. „Oft funktioniert die Kommunikation im Team nicht gut, weil nicht alle an einem Strang ziehen. Manche sehen auch zu schnell das Geld vor ihren Augen und verlieren sich in frühen Verteilungskriegen“, so Lutz. Zudem spielt, gerade bei Studierenden, die Frage der Finanzierung eine wichtige Rolle. Meistens soll das Projekt so gut wie nichts kosten. „Viele Gründerteams gehen etwas zu optimistisch an die Gründung heran. Sie sind so überzeugt von ihrer Idee, dass sie direkt von hohen Downloadzahlen ausgehen, dann wird über Werbung und Datenverkauf nachgedacht. Aber das sind keine nachhaltigen Überlegungen, Investoren sehen das sehr kritisch“, sagt Lutz.