Dienste wie Periscope und Snapchat boomen, doch Start-ups und Unternehmen halten sich bei der Nutzung zurück. Vorreiter sind dagegen Fußballclubs.

Als Jürgen Klopp überraschend seinen Trainerjob bei Borussia Dortmund kündigte, war die Aufregung groß und das Interesse riesig. Wer die Pressekonferenz live mitverfolgen wollte, konnte das auch via Periscope – der boomenden Video-Live-Streaming-App von Twitter. Mehr als 500 Nutzer schalteten sich zu und konnten im Gegensatz zur normalen Übertragung im Internet das Geschehen direkt kommentieren.

Neu sind solche Dienste zur Videoübertragung zwar nicht, doch derzeit erleben sie womöglich ihren Durchbruch. Start-ups und Unternehmen halten sich noch zurück, stattdessen experimentieren Journalisten und Medien mit den neuen Möglichkeiten: Kai Diekmann überträgt live die Fütterung seiner Ziegen und ZDF-Nachwuchsstar Jan Böhmermann gibt Einblicke in die Redaktionskonferenzen seine Neo-Magazins-Royale.

Daneben fällt auf, dass vor allem Sportclubs die Möglichkeiten von Periscope & Co. testen. Während sich einige  Bundesligisten anfangs mit social media schwer taten – der FC Bayern brauchte bis zur Saison 2012/13 um einen eigenen Twitter-Account zu starten – gehören sie nun zu den Vorreitern.

Der FC Schalke bespielt beispielsweise eine ganze Reihe von Plattformen: Von Instagram, das auch bald zum Standard wird, bis zum Videoschnipseldienst Vine. Dazu kommen Aktivitäten für ausländische Fans. So nutzt Schalke das russische Netzwerk VKontakte und hat für Fans in China Profile bei Sina Weibo, Tencent, WeChat und Line.

Kein Wunder, dass die Schalker Anfang April stolz verkündeten, “als erster Bundesligist überhaupt eine Pressekonferenz via Periscope zu übertragen”. Seither übertragen die Gelsenkirchner die Ankunft der Spieler vor dem Spiel oder Interviews mit einzelnen Kickern.

Noch schneller war freilich der 1. FC Köln. Schon im März übertrugen die Kölner per Smartphone Impressionen vom Training. Dabei nutzten sie allerdings den Konkurrenzdienst Meerkat. Der war erst der Liebling der Nutzer und wurde dann schnell vom nächsten großen Ding zum kürzesten Hype der App-Geschichte. Ein Grund: Wer bei Meerkat nicht sofort zuschaltet, hat Pech gehabt. Bei Periscope sind die Videos dagegen noch bis zu 24 Stunden nach der Übertragung abrufbar.

Auch viele Meerkat-Anwender schwenken daher zum Twitter-Dienst um. Die Kölner verstummten hingegen nach der frühen Videostreaming-Premiere wieder. Lohnt sich der Aufwand vielleicht gar nicht?