Die Crowdfunding-Branche ist auf dem Vormarsch und wird immer stärker. Jetzt erobert sie auch den hartumkämpften Immobilienmarkt.

Hilden, bei Düsseldorf. Mitten im Herzen der Stadt verwirklicht der Bauunternehmer Tecklenburg den Kastanienhof – ein Prestige-Projekt in dem 55.000-Einwohner Ort: 15 hochwertige Eigentumswohnungen, ein Penthouse, Tiefgarage und Gewerbeflächen. 6,8 Millionen Euro sind veranschlagt. Mittlerweile ist die Baugrube ausgehoben, die Bauarbeiten gehen voran. All das lässt sich im Internet auf einer Plattform nachlesen. Auf diesem Weg hab er jedem die Chance für wenig Geld, Teil des Projekts zu werden, indem sie einen Bauabschnitt mitfinanzieren. Das mittelständische Familienunternehmen aus Nordrhein-Westfalen bot Kleinanlegern nämlich eine Beteiligung ab 500 Euro an. Das Ziel: 750.000 Euro für eine Teilfinanzierung des Kastanienhofs einsammeln. Bis zum 31. Mai konnten Interessenten investieren. Die Randbedingungen: Das Darlehen hat eine Laufzeit von 18 Monaten bei einem jährlichen Zinssatz von 6,5 Prozent. Ist die Immobilie fertiggestellt und die Wohnungen verkauft, wird den Kleinanlegern ihr Geld ausgezahlt – plus Rendite.

Crowdinvesting für Immobilien ist die Idee hinter diesem Projekt. Während es für Start-ups fast schon eine gängige Finanzierungsform sein kann, ist die Schwarmfinanzierung für Immobilien noch vergleichsweise unbekannt. Was in den USA und Großbritannien schon seit einigen Jahren fester Bestandteil der Crowdfunding-Branche ist, nimmt hierzulande nun aber ebenfalls an Fahrt auf. Eine ganze Reihe von Plattformen geben den Deutschen zu Zeiten eines aufgeheizten Immobilienmarkts und niedriger Renditen die Chance, sich an Immobilienfinanzierungen direkt zu beteiligen. „Insbesondere in Deutschland ist Crowdfunding dafür sehr geeignet, weil der Endkunde, der gerne in Immobilien investiert, das Modell grundsätzlich vom Immobilien-Fond schon kennt und es kommt ein neues, jüngeres Klientel hinzu“, sagt Tanja Aschenbeck-Florange, Rechtsanwältin spezialisiert auf Crowdfunding. „Immobilien-Investitionen waren immer das Spielfeld der betuchten Bevölkerung“, sagt Elfriede Sixt, Autorin des Buchs „Schwarmökonomie und Crowdfunding“. „Durch das Crowdfunding wird das demokratisiert.“

Den Anfang machte Kapitalfreunde

Kapitalfreunde war im November 2012 die erste Crowdinvesting-Plattform für Immobilien, die in Deutschland, sogar europaweit, startete. „Ich bin ein Immobilienmensch und habe mich von den Ideen des Webs 2.0 damals überzeugen lassen – also Transparenz, Partizipation und Gemeinschaft. Das gab mir den Anstoß als Immobilienfreund dahingehend einen neuen Weg einzuschlagen“, beschreibt es Kapitalfreunde-Gründer Michael Ullmann. Aus dem Private-Equity-Bereich für Immobilien kommend gründete er Kapitalfreunde. Ihm gehe es dabei nicht so sehr darum, Geld für Immobilien zu sammeln, sondern darum, dass die Gemeinschaft ein Projekt realisiere. Zwar wurden im vergangenen Jahr die ersten Projekte bei Kapitalfreunde schon zurückgezahlt, aber derzeit gibt es keine neuen. Man wolle sich umorientieren, sagt Ullmann. „Wir wollen noch einige Schritte weiter gehen – Immobilien digital ganzheitlich größer sehen.“