Das Online-Einrichtungshaus setzt auf das Prinzip Dauerwerbesendung: Mit Video- und Text-Inhalten will man Kunden von anderen Marken überzeugen – und dazu bringen, noch häufiger auf das eigene Portal zurückzukehren.

Von Manuel Heckel      

Ein Weihnachtsmorgen wie aus dem amerikanischen Bilderbuch: Kinder wachen auf, stürzen mit erwartungsvollen Augen die Treppe hinab und reißen die Geschenke auf, die unter dem Tannenbaum liegen. Nach etwa 30 Sekunden wird dem Zuschauer des Spots klar, um was es geht: Modelleisenbahnen aus dem Haus Märklin lassen die Kinderaugen strahlen.

Das Besondere: Produziert und vermarket wurde der Clip nicht von einer renommierten Werbeagentur für den Hersteller. Verantwortlich war das Online-Einrichtungshaus Westwing – dort waren die Produkte in der Vorweihnachtszeit im Angebot.

„Westwing präsentiert“ steht in ähnlichem Stil und mit ähnlichem Stolz vor den Spots wie die „Netflix Original“-Einblendung vor preisgekrönten Serien. Und das bei beschränktem finanziellen Einsatz: Ein Tag in einer selbst genutzten Immobilie, zwei Kameraleute, drei Helfer und die kleinen Schauspieler: „Das hat sicher weniger gekostet als 10 000 Euro“, sagt Stefan Smalla, Mitgründer und CEO von Westwing.

Für den Hersteller gab es sogar noch mal einen Rabatt: „Wir experimentieren gerade mit diesen Inhalten“, berichtete Smalla auf einem Kongress am Rande der internationalen Einrichtungsmesse „imm cologne“. Mittlerweile soll aber bereits jeden Tag ein solches Video entstehen, für die Produktion entsteht gerade am Sitz in München ein 800 Quadratmeter großes Studio.

Die klare Botschaft, die insbesondere bei den Vertretern des klassischen Einrichtungshandels für Staunen sorgte: „Wir werden wie ein Magazin genutzt, wir inspirieren die Kunden“, sagte Smalla. Drei Viertel des Umsatzes werde mit Kunden gemacht, die zwei Mal pro Woche auf dem Portal vorbeischauen.

Um den Absatz zu erhöhen, setzt Westwing daher fest auf das Prinzip einer vom Publikum geschätzten Dauerwerbesendung: „Die Kunden sind wirklich interessiert und die Einrichtungsmarken lieben es, dass sie auf dem Niveau einer redaktionellen Zeitschrift – oder sogar noch besser – präsentiert werden“, sagte Smalla. Spannend sei das besonders für eher unbekannte Marken im fragmentierten Einrichtungsmarkt, die von der Community der 26 Millionen registrierten Nutzer profitierten.

Mit großem Aufwand sucht und erzählt ein 50-köpfiges Team des Rocket-Internet-Unternehmens Geschichten um die Produkte und Hersteller, die auf den Seiten zu sehen sind – und zum Kaufen verführen sollen.