Cashboard vermittelt per Algorithmus Geldanlagen im Netz. Um prominente Investoren zu gewinnen, kaufte der Gründer die ersten Finanziers heraus.

Robert Henker will die Geldanlage optimieren. Die Nutzer seines Start-ups Cashboard können im Netz zwischen drei Anlagestrategien wählen, je nach Risiko soll die Rendite bis zu sieben Prozent betragen. Algorithmen suchen passende Finanzprodukte, Cashboard vermittelt sie und verspricht für die ersten 10 000 Euro zwei Prozent Garantiezins pro Jahr. Von den Gewinnen, die über zwei Prozent liegen, erhält das Start-up zehn Prozent Provision.

Doch als Henker vor drei Jahren Investoren für sein Unternehmen suchte, winkten die schnell ab. „Das Trendwort Fintech gab es damals noch nicht“, sagt Henker. Investoren sagten ihm er solle lieber eine Art Facebook zum Austausch für Anleger machen, aber die Finger von den Finanzen selbst lassen. Also sammelte er Geld per Crowdfunding, in zwei Runden insgesamt 450 000 Euro und stellte dabei gleich zwei Mal einen Europarekord für das schnellste und größte Crowdfunding auf.

Inzwischen ist Fintech ein Trendthema und auch Cashboard hat nun prominente Investoren überzeugt: Die Wagnisfinanzierer Earlybird und Redalpine, der bekannte US-Seed-Accelerator 500 Startups, die DailyDeal-Gründer Fabian und Ferry Heilemann und Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz stecken zwei Millionen Euro in das Unternehmen. Auch die Altgesellschafter Makers und ProSiebenSat.1 beteiligten sich.

Vorher musste Henker jedoch die Crowdinvestoren herauskaufen. Denn Risikokapitalgeber beteiligen sich ungern an Unternehmen, dass Einzelverträge mit fast 500 Privatinvestoren hat. Im Mai hatte Cashboard daher den Seedmatch-Investoren 668 250 Euro geboten, um ihre Darlehen und stillen Beteiligungen vorzeitig auszulösen. Das entspricht einem Aufschlag von 48,5 Prozent und ist laut Cashboard die höchste Rendite, die Crowdanleger in Deutschland von einem Start-up bisher bekommen hätten. 70 Prozent der Seedmatch-Investoren nahmen das Angebot an. Damit musste Cashboard 500 000 Euro der bereits eingesammelten Investorengelder für den Buyout der Crowd aufwenden.

„Wir sind jetzt an einem Punkt, wo einige erfolgreiche Start-ups mit ihren Crowdfunding-Verträgen bei professionellen Investoren auf Kritik stoßen“, sagt Henker. Das lähme das ganze Crowdfunding-Segment und müsse dazu führen, dass künftig die Verträge verändert werden.

Cashboard will in den kommenden Monaten sein Angebot bekannter machen. Dazu ist im Herbst eine massive TV-Werbekampagne geplant, das nötige Budget in Höhe von vier Millionen Euro hatte das Start-up beim SevenVentures Pitch Day gewonnen.

 

Steckbrief

Cashboard

Start: 2010

Gründer: Stephan Henker, Marius Schulze (vorn), André Holdschick und Robert Henker

Sitz: Berlin

Mitarbeiter: 15

Kunden: mehrere Tausend

Anlagevolumen: die Nutzer der Plattform haben inzwischen mehrere Millionen Euro investiert