Für die Gründer Béa und Oliver Beste endet mit dem Insolvenzverfahren ihr Traum vom Erfolg der Tollabox. In ihrem Rücken: 599 Geldgeber aus der Crowd, die ihre Investments abschreiben müssen.

Béa Beste und ihr Mann Oliver mussten in den vergangenen Tagen ihr Unternehmen Tollabox abwickeln. Sie hatten im Abo Kisten mit Bastelmaterial für Kinder verkauft, doch im April wurden die letzten Boxen verschickt, seit dem 24. April ist der Onlineshop geschlossen. In den vergangenen Tagen haben die Bestes die Spielkisten-Ideen in Säcke gepackt, Mitarbeiterzeugnisse geschrieben, aufgeräumt. Jetzt beginnt mit dem 1. Mai das Insolvenzverfahren. Und in sechs Wochen ist die Gläubigerversammlung. Die Crowdinvestoren werden leer ausgehen – was sie über Seedmatch in die Tollabox investiert haben, ist weg.

„Wir haben gekämpft wie die Löwen, das könnt ihr uns glauben. Uns ist die Finanzierungsrunde, die wir für das Wachstum der Tollabox brauchten, leider geplatzt. Die Einzelheiten dazu darf ich nicht ausbreiten, aber Fakt ist, dass wir ohne dieses Geld zahlungsunfähig sind“, schrieb Tollabox-Gründerin Béa Beste bereits am 13. Februar 2015 im Start-up-Blog und machte so öffentlich: Das Berliner Unternehmen geht in die Insolvenz.

Zwei Tage zuvor hatte ihr Mann, Oliver Beste, den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Charlottenburg eingereicht. „Es ist ja ein Try-and-Error-Geschäft und wenn man dann feststellt, dass es nicht läuft, muss man erkennen, dass es ein Error ist, und nicht weiteres Geld von Investoren verbraten“, sagt er. Als die jüngste Werbung und die neuesten Produktentwicklungen nicht den gewünschten Erfolg brachten, zog das Tollabox-Team die Notbremse.

Dabei hatte alles sehr erfolgsversprechend begonnen: Béa und Oliver Bestes Idee zur Abobastelkiste für Kinder ab dem Vorschulalter kam gut an. Das Konzept „Lernen durch Spielen” begeisterte. Nach der Gründung im September 2012 verkaufte Tollabox innerhalb der ersten sieben Monate 2.500 Boxen. „Damit haben wir bewiesen, dass sich die Tollabox erfolgreich verkaufen lässt“, schrieben die Bestes damals in ihr Seedmatch-Profil. Im Sommer 2013 sammelte Tollabox dann über die Crowdfundingplattform stolze 600 000 Euro ein. Insgesamt 599 Darlehensgeber setzten mit Beträgen zwischen 250 und 2.500 Euro auf den Erfolg des Berliner Unternehmens und es ging zunächst voran.

Das Risiko des Totalverlusts

Mit Fernsehwerbung wollten die Bestes Tollabox bekannt machen, aber das Geschäft kam einfach nicht in Schwung. Das Hauptproblem: die kurze Abodauer. Die Kunden kamen, gingen aber genauso schnell wieder nach Ablauf der Abophase. „Die breite Masse, die über drei Millionen Familien, die potenziell als Käufer in Frage gekommen wären, ihnen konnten wir den Nutzen der Tollabox nicht verständlich machen“, schreibt Béa Beste im Blog. Die Marketingkosten wurden zu teuer und die Abonnenten stiegen nach Fristablauf zu häufig aus. Dauerhafte Kundengewinnung gelang einfach nicht – der Vertrieb wurde zu teuer. Als dann die zweite Finanzierungsrunde scheiterte, zogen die Bestes die Reißleine.

„Tollabox zeigt auch, wie hoch das Risiko ist, das die Crowd bei einem Start-up-Investment eingeht“, sagt Sabine Drotbohm von der Crowdinvesting-Plattform Seedmatch. „Niemand kann mit Gewissheit vorhersehen, wie sich ein Markt entwickeln wird und wie Produkte oder Dienstleistungen angenommen werden.“