Ein Bestatter für den digitalen Nachlass, Videobotschaften für Hinterbliebene und ein Diamant aus dem leblosen Körper – manch Gründer fängt an, wo für andere alles aufhört.

Statistisch gesehen stirbt in Deutschland alle 35 Sekunden ein Mensch. Knapp 900.000 Todesfälle im Jahr bedeuten nicht nur viel Trauer und Verzweiflung, sondern auch einen immensen Wirtschaftszweig. Alleine fürs Bestatten geben wir in Deutschland durchschnittlich 3.838 Euro aus, so eine Studie der Universität Bochum. Mit einem Reihengrab ist es heute oft nicht mehr getan: Die Bestattungen werden individueller, die Trauerbewältigung kreativer, die Vorsorge fürs Lebensende komplexer. Diesen Trend entdecken auch immer mehr Unternehmensgründer.

Videobotschaften für die Hinterbliebenen

„Als mein Vater mit Mitte 60 einen Schlaganfall erlitt und zum Pflegefall wurde, merkte ich, wie wenig geregelt war: Keine Patientenverfügung, kein Testament, keine Wünsche, was mit ihm nach seinem Tod geschehen soll“, erzählt Martin Reiser (49). Als kurze Zeit später ein Bekannter mit der Idee für Goodbye Friends zu ihm kam, stieg der IT-Berater sofort ein und übernahm schließlich die Leitung. Goodbye Friends ist eine Online-Plattform angelehnt an soziale Netzwerke, in der man Briefe und Videobotschaften an Freunde und Familienmitglieder speichern kann. Nach dem eigenen Tod werden die Abschiedsbotschaften verschickt, elektronisch oder an Postadressen.

Bisher stammen die Kunden ausschließlich aus dem deutschsprachigen Raum: „Noch ist das Projekt ein Zuschussgeschäft, doch in ein bis zwei Jahren sollte es kostendeckend sein“, meint Reiser.

Virtuelle Friedhöfe und QR-Codes auf Grabsteinen

Goodbye Friends nutzt die Online-Welt nur zum Sammeln und Verschicken von Nachrichten. Dass auch Online-Trauern geht, zeigen Portale wie Stay Alive, Ewige Erinnerung oder Straße der Besten und Quitschie.de für verstorbene Tiere). Auf solchen Online-Friedhöfen können Hinterbliebene eine Gedenkseite erstellen, Traueranzeigen hochladen und virtuelle Kerzen anzünden. Mit Erfolg: Die Trauerportale verzeichnen laut einer Studie von Bbw Marketing jeden Monat mehr als 30 Millionen Seitenaufrufe und 83.000 Gedenkkerzen.

Noch einen Schritt weiter gehen QR-Memorial, E-memoria und die Steinmetz-Website Gedenken-gestalten. Ihre Idee ist, auf eine Gedenkseite im Internet mit einem auf dem Grabstein angebrachten QR-Code hinzuweisen. So erfahren Friedhofsbesucher mehr über die verstorbene Person als nur Name und Lebensdaten.