Gemeinsames Projekt statt reiner Finanzspritze – zumindest im ersten Schritt. Der Telko-Konzern setzt auf einen Realitätscheck für die ausgewählten Start-ups.

Vor einem Monat verkündete Wayra noch die Beteiligung an einer Finanzierung: Das Datenanalyse-Start-up 5Analytics erhielt 800.000 Euro Kapital. Das Münchener Start-up hatte für sein Produkt mit dem global tätigen Telefónica-Konzern seinen ersten Großkunden gefunden.

Solche Verbindungen dürften sich in Zukunft häufen, die Formalitäten des Förderprogramms ändern sich jedoch: Das Telekommunikationsunternehmen erfindet seine Start-up-Sparte neu, die seit 2012 bislang 40 junge Unternehmen unterstützt hat. Ab sofort setzt Wayra auf eine anfängliche Projektphase mit Start-ups, um sich besser abklopfen zu können. Die Kunden-Lieferantenbeziehung kläre die gegenseitige Erwartungshaltung, sagt Christian Lindener, der seit Frühjahr 2017 Wayra in Deutschland leitet: „Das verringert das Risiko, enttäuscht zu werden – auf beiden Seiten.“

Realitätscheck für Start-ups

Im neuen Modell sollen jedes Jahr bis zu zehn deutsche Start-ups ausgewählt werden. Im Fokus stehen dabei Technologien, die für den Konzern spannend sind – aktuell etwa das „Internet der Dinge“, Datenanalytik, Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz. Die Start-ups werden dann einen Monat vorbereitet und setzen dann über einen Zeitraum von drei Monaten ein Projekt für und mit Telefónica um.

„Für ein weltweit führendes Telekommunikationsunternehmen ein Technologieprojekt umzusetzen, die eigenen Produkte und Entwicklungen also einem harten Realitäts-Check zu unterziehen, kann für Start-ups einen echten Wachstumsschub und Umsatzsprung bedeuten“, sagt Lindener. Für diese Projektphase zahlt der Telko-Konzern 25.000 Euro, ohne Anteile zu beanspruchen. Stimmt die Chemie – und die Technologie – soll es die Option auf eine Folgefinanzierung von maximal 350.000 Euro geben.

Das deutsche Modell wird auch global im Telefónica-Konzern ganz genau beobachtet. Wayra ist mit Standorten in zehn Ländern weltweit vertreten – neben Spanien und Großbritannien ist man auch stark in Südamerika. Bewährt sich das neu eingeführte „Venture-Client“-Modell, dann soll es auch auf die anderen Landesgesellschaften übertragen werden.