Wayra bahnt für den Telko-Riesen Telefónica Innovationsprojekte mit Start-ups an. Das Modell rollt der Konzern nun international aus – und bietet den Service auch anderen Firmen an.

Innovation fördern durch Kooperationsprojekte mit Start-ups: Das ist die Aufgabe, die Wayra für den Telko-Riesen Telefónica übernimmt, zu dem die Marke O2 gehört. Ein herausforderndes Arbeitsfeld, denn regelmäßig zeigen Studien, dass es in der Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Konzernen häufig zu Konflikten kommt. Viele Jungunternehmen beklagen demnach mangelnde Transparenz und fehlende Bereitschaft zur Kooperation seitens der Großunternehmen.

Um die Kluft zumindest für Telefónica zu überbrücken, ist Wayra Deutschland seit 2012 am Markt unterwegs – und versucht den Vermittlungsdienst zwischen Konzern und Start-ups zu optimieren. Den Service bietet Wayra nun auch anderen Unternehmen an, die sich für eine Zusammenarbeit mit Gründer-Teams interessieren, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr.

Als Dienstleistung verkauft die Telefónica-Sparte zum Beispiel die Suche und Vermittlung von passenden Projektpartnern. Außerdem berät das Team bei der Annäherung, hält sich operativ allerdings heraus. „Nach der Vermittlung eines Start-ups ist für uns Schluss. Anders als bei Telefónica übernehmen wir keine Aufgaben in der Projektphase bei fremden Unternehmen“, sagt der Geschäftsführer von Wayra Deutschland, Christian Lindener (Foto), im Gespräch mit WiWo Gründer.

Gezielte Suche nach Partnern

Intern hat das Konzernteam inzwischen Erfahrungen mit 40 Start-ups gesammelt. Im November ist Wayra Deutschland mit einem neuen Ansatz in die Zusammenarbeit mit Gründern gestartet. Die Kooperation funktioniert so: Wayra erfragt regelmäßig im Telefónica-Konzern, für welche Probleme technische Lösungen oder fertige Produkte von Zuliefer-Unternehmen gesucht werden. Meldet sich ein Geschäftsbereich mit einem konkreten Bedarf, geht die Start-up-Einheit auf die Suche nach passenden Kooperationspartnern aus der Gründer-Szene. Ist ein geeignetes Start-up für die Aufgabe gefunden, wird ein Projektteam aufgestellt. Wayra Deutschland stellt einen Projektleiter. Der zweite Verantwortliche kommt aus der Konzern-Abteilung, die am Projekt beteiligt ist.

Acht Mitarbeiter beschäftigt das Wayra-Team mit Sitz in München derzeit. Deren Hauptaufgabe ist, Kontakt zu interessanten Start-ups herzustellen, sie mit den richtigen Ansprechpartnern im Konzern zu vernetzen und anschließend im Projektalltag zu unterstützen: etwa zusätzliches Personal zu organisieren, wenn Engpässe entstehen, oder bei Differenzen zu moderieren. Nicht immer seien Konzernmitarbeiter sofort begeistert von der Kooperation mit Gründerteams, so Lindener. Oft fehle die Zeit, um neben den laufenden Aufgaben neue Projekte voranzutreiben. „Wir arbeiten dann eng mit der Personalabteilung zusammen, versuchen eine Lösung zu finden und die Vorteile zu erklären“, sagt Lindener.

Für die dreimonatige Projektphase zahlt der Telko-Konzern 25.000 Euro, ohne im Gegenzug Firmenanteile zu verlangen. Im Anschluss gibt es für Start-ups die Option, eine weitere Finanzierung über maximal 350.000 Euro zu erhalten. Bis zu 12 Projekte will das deutsche Wayra-Team pro Jahr stemmen.

Vorlage für Standorte im Ausland

Auch international stellt sich die Start-up-Einheit jetzt neu auf – nach dem Vorbild des deutschen Teams. Konkret übernehmen die zehn weiteren Wayra-Standorte im Ausland Prozessabläufe, die das Team in Deutschland in den vergangenen Monaten getestet und für erfolgreich befunden hat. Das betrifft beispielsweise Büros in Spanien, Großbritannien sowie in Chile oder Brasilien. Zudem sei das Ziel, die internationalen Einheiten stärker zu vernetzen und über die Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, sagt Wayra-CEO Lindener. So ziehen zum Beispiel zwei Start-ups aus Barcelona für Projekte ins deutsche Wayra-Hub ein: die Marketingplattform Social & Beyond und Avuxi, ein Anbieter von Datenanalysen.

Um passende Partner für den Konzern zu finden, lässt das Team einen Algorithmus Datenbanken wie Crunchbase oder Social-Media-Kanäle durchsuchen, aktiviert persönliche Kontakte oder durchforstet Bewerbungen von Gründerteams. Unter zehn Bewerbungen finde Wayra allerdings im Schnitt nur ein passendes Unternehmen, sagt Geschäftsführer Christian Lindener. Der Fokus liegt seit einigen Monaten ausschließlich auf jungen Firmen in fortgeschrittenen Phasen, die über fertige Produkte verfügen. Ziel von Wayra ist, jeweils in maximal vier Monaten ein funktionierendes Konzept für das Gemeinschaftsprojekt mit dem Telefónica-Konzern aufzustellen. Dies sei nur durch enge Kontakte in die Finanz-, IT- und Rechtsabteilungen des Konzerns möglich.

Als Erfolg bewertet Lindener die Zusammenarbeit mit den vier Start-ups, die seit dem Relaunch im November für Gemeinschaftsprojekte angeworben wurden. Drei von ihnen seien inzwischen regulär als Lieferant gelistet: Stack Fuel schult Mitarbeiter der Abteilung Business & Market Intelligence von Telefónica Deutschland per Online-Training in Datenanalysen. Conntac hat eine App für den Kundenservice entwickelt und das Start-up Accurate unterstützt den Konzern bei der Auswertung von Bewegungsdaten.