Der elektronische Hubschrauber aus dem Schwarzwald sorgt weltweit für Aufsehen. Einer der Gründer gibt sich auf einer Konferenz bescheiden – aber denkt global.

Ein bisschen muss Alexander Zosel selbst schmunzeln: Ein elektronischer Hubschrauber, der eines Tages autonom fliegen und Passagiere transportieren könnte – so ein „fancy Produkt, und dann ist unser erste Kunde eine Behörde“, wundert sich der Mitgründer von Volocopter immer noch ein wenig. Im Juni konnte das Start-up aus Bruchsal im Schwarzwald bekannt geben, dass es mit der Verkehrsbehörde in Dubai zusammenarbeitet. Das dortige Interesse an alternativen und umweltfreundlichen Transportmitteln ist groß.

Die Begeisterung für neue Transportwege durch die Luft ist groß: „Aus dem Traum vom Fahren wird der Traum vom Fliegen“, sagt etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem Werbevideo. Der Automobilkonzern ist vor kurzem in einer größeren Finanzierungsrunde bei dem Start-up eingestiegen. Alexander Zosel freut sich über das Interesse, aber stellte kürzlich auf dem „Hidden-Champions-Gipfel“ der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partner auch direkt die Größenverhältnisse klar. Gerade befinde sich das junge Unternehmen mitten in einem Wachstum von 20 auf 50 Mitarbeiter – „und eigentlich haben wir noch keinen Umsatz gemacht.“

Fokus auf Software und Taxicopter

Als Erfolgsrezept macht Zosel für Volocopter einen klare Konzentration auf die Idee des Taxicopters aus: „Was wir tun, erzeugt wahnsinnig viele Ideen, wir konzentrieren uns aber auf den einen Anwendungszweck.“ Interessant dafür sind vor allem globale Metropolen, die unter hoher Verkehrsbelastung leiden. Neben Dubai muss Zosel da schnell auch an Städte wie das indische Mumbai oder Megacities in China denken. „Bis jetzt hatten wir das Glück, dass diese Megastädte auf uns zugekommen sind“, sagt Zosel.

Für die Technik kooperiert man mit zahlreichen Mittelständern und Konzernen, die Konzentration des Start-ups selbst liege auf der Programmierung der Software, die die 18 elektronischen Einzelmotoren steuert. „Wir sind eigentlich eine Software-Company, die noch ein Carbon-Teil hat“, sagt Zosel. „Wir bauen fliegende Computernetzwerke und keine aerodynamischen Flugobjekte.“ Die große Herausforderung jetzt sei, die Produktion zu vergrößern.

Gelingt das, ist offen, wohin die Reise für das Start-up aus dem Schwarzwald geht. Die letzte Finanzierungsrunde etwa sei mit Daimler und einem Berliner Tech-Investor sehr regional und bodenständig gewesen, sagt Zosel. Das müsse für die nächste Finanzierung nicht unbedingt mehr gelten: „Wir sind für alles offen – wir werden sehen, wer da in der nächsten Runde alles mitspielt.“ Lilium Aviation, die an einem senkrechtstartenden Elektro-Jet arbeiten, konnten kürzlich etwa 90 Millionen Dollar Kapital einsammeln – das Geld stammte auch von dem chinesischen Tech-Konzern Tencent.