Dagmar Wöhrl bezeichnete die Investition in Vegdog als Herzensangelegenheit. Im Interview sprechen die Gründerinnen über die Zusammenarbeit mit der Löwin und warum das Thema Hundefutter die Gemüter so erregt. 

Er hatte den Auftritt des Abends. Schäferhundmischling Nelson, seines Zeichens Maskottchen des Münchener Hundefutter-Start-ups Vegdog, das ausschließlich vegane Produkte anbietet, die frei von Lock-, Farb-, und Konservierungsstoffen sind, verzauberte die Löwen von der ersten Minute an. Da konnte Tierfreundin Dagmar Wöhrl ihr Interesse am Unternehmen nicht lange verbergen.

Während die anderen Investoren vor allem die Professionalität und das Auftreten der drei Gründerinnen Tessa Zaune-Figlar, Valerie Hansen, und Lisa Walther lobten, in der Geschäftsidee aber keine Investitionsoption sahen – „Das ist nicht mein Thema“ (Frank Thelen) und „Der Tierfuttermarkt ist ein Haifischbecken“ (Ralf Dümmel) – war Dagmar Wöhrl bereit Geld und Arbeit in Vegdog zu stecken, denn die Gründerinnen suchten vor allem nach einem strategischen Partner, der ihnen in Sachen Marketing und Vertrieb unter die Arme greift.

Zehn Prozent des Start-ups für 150.000 Euro, wie das Trio vorschlug, waren ihr allerdings zu wenig. Ihr Gegenangebot von 20 Prozent für die gleiche Summe ließ die Gründerinnen eine kurze Rücksprache mit ihrem Business Angel Axel Mölders halten. Danach stand fest: Wir machen den Deal.

Im Interview sprechen Tessa Zaune-Figlar und Valerie Hansen über ihre Zusammenarbeit mit Dagmar Wöhrl, die Zukunftspläne für Vegdog und warum das Thema Hundefutter so stark polarisiert.

Frau Zaune-Figlar, Frau Hansen, herzlichen Glückwunsch zum Deal mit Dagmar Wöhrl. Hatten Sie mit ihr als potentielle Investorin gerechnet?
Tessa Zaune-Figlar: Wenn man es von der emotionalen Seite betrachtet, war von vornherein Dagmar Wöhrl unsere Favoritin, da sie stark im Tierschutz vertreten ist. Wir haben allerdings nicht damit gedacht, dass wir sie überzeugen können, da sie noch nie in ein veganes Start-up investiert hat. Auf Grund dessen haben wir eher einen Deal mit Judith Wiliams oder Frank Thelen in Betracht gezogen, da sie schon häufiger in Food- und auch vegane Start-ups investiert haben. Man kann also wirklich sagen, dass Dagmar Wöhrl Mut und Vision mit ihrer Investition bewiesen hat – worüber wir uns sehr freuen.

Während des Pitches gab es einen Moment der Unsicherheit als Dagmar Wöhrl Ihre Forderung von 150.000 Euro für zehn Prozent von Vegdog ablehnte und stattdessen 20 Prozent verlangte. Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung?
Tessa Zaune-Figlar: Es war schon sehr schwierig sich in so kurzer Zeit zu entscheiden und auf einmal über doppelt so viele Prozente zu verhandeln, aber ich hatte dennoch ein gutes Gefühl und habe daher ja gesagt. Nachdem wir die Familie Wöhrl dann näher kennengelernt haben und wir auch gemeinsam in die Verhandlung gegangen sind, war auch schnell klar, dass es die richtige Entscheidung war! Die Tatsache, dass uns die Familie Wöhrl z.B. Anschlussdarlehen für die Produktion und das Marketing gewähren und wir damit eine nächste Investorenrunde verhindern, sind uns die 20 Prozent wert!

Sie wollen also keine weiteren Investoren an Bord holen? 
Tessa Zaune-Figlar: Nein, auf keinen Fall. Dank der möglichen Anschlussdarlehen der Familie Wöhrl und kleineren Darlehen von Familie und Freunden können wir unsere unternehmerische Strategie ohne weitere Investoren absichern und verfolgen. Wir sehen das Ganze als einen Marathon und keinen Sprint. Wir wollen uns ein Unternehmen aufbauen, mit dem wir langfristig leben können.

Wie sah und sieht die Zusammenarbeit mit Dagmar Wöhrl aus?
Valerie Hansen: Wir haben uns etwa eine Woche nach der Aufzeichnung das erste Mal mit den Beratern der Familie Wöhrl getroffen. Die Vertragsverhandlungen dauerten insgesamt circa drei Monate. Im Sommer war es dann soweit und wir haben den Vertrag unterschrieben. Die Familie Wöhrl steht uns seitdem in strategischen Entscheidungen mit Rat und Tat zur Seite, was für den Aufbau unsers Unternehmens sehr hilfreich ist. Außerdem besitzt die Familie ein weitreichendes Netzwerk, von dem wir sehr profitieren – und es ist natürlich sehr beruhigend einen finanzstarken Partner an der Seite zu haben.

Wie läuft es aktuell für Vegdog?
Tessa Zaune-Figlar: Seit einigen Monaten kann man uns deutschlandweit in den Kaufland-Filialen und im Fachhandel, zum Beispiel bei Fressnapf, kaufen. Darüber hinaus hat uns der Großhändler HEGA aufgenommen, was uns eine flächendeckende Präsenz im Fachhandel ermöglicht. Und natürlich sind alle VEGDOG Produkte immer noch über unseren eigenen Online-Shop erhältlich.Wir haben unsere Zahlen von 2017 bis 2018 verfünffacht und streben nächstes Jahr die Umsatz-Marke von einer Million an. Aber vor allem bekommen wir täglich mehr und mehr zufriedenes Kunden-Feedback!

Ist veganes Hundefutter nur in Deutschland ein Thema?
Tessa Zaune-Figlar: Nein, absolut nicht. Die Anzahl an Menschen die sich vegan ernähren wächst ebenso weltweit, wie der der Hundehalter wächst. Und immer mehr Hundehalter überdenken ihre Fütter-Routine. Für diese zählen in der Überlegung der Fütterungswahl jedoch nicht nur moralische oder ernährungsphilosphische Gründe, sondern auch die Tatsache, dass immer mehr Hunde unter Futtermittelunverträglichkeiten oder -allergien leiden und eine Fütterung ohne tierische Eiweiße oft zur einzigen Alternative wird.

Welche Pläne verfolgen sie?
Valerie Hansen: Wir werden verstärkt den Vertrieb in Österreich und der Schweiz ausbauen und als nächstes dann England und Frankreich.

Sie haben in der Sendung erwähnt, dass Ihr Weg manchmal steinig war. Wie oft wurden Sie in den letzten Jahren für Ihre Idee angegriffen?
Tessa Zaune-Figlar: Ehrlich gesagt: Täglich! Das Thema ist super emotional und grundsätzlich finden wir es auch wichtig, dass man diskutiert. Dieser Diskussion wollen wir uns auch stellen.

Valerie Hansen: Sobald man über die Fütterung von Hunden spricht, tritt automatisch der wilde Vorfahre auf den Plan: Der Wolf! Doch auch bei diesem stand nicht jeden Tag Fleisch auf dem Speisezettel. Das gilt umso mehr für Hunde, die bereits seit mehreren tausend Jahren domestiziert sind – sie haben sich an das Leben an der Seite des Menschen angepasst. Ein Hund hat in den 50.000 Jahren seiner Domestikation nie so viel Fleisch erhalten wie heutzutage. Wenn alle Hundehalter nur einmal pro Woche das fleischhaltige Hundefutter durch ein pflanzliches Futter ersetzen, haben sie am Ende des Jahres 176.000 Tonnen weniger fleischhaltiges Hundefutter verfüttert. Somit bieten wir mit Vegdog nicht nur eine pflanzliche Alternative und komplementieren damit den Speiseplan der Hunde, sondern helfen auch anderen Tieren sowie der Umwelt. Wichtiger als die Frage nach „Fleisch“ oder „nicht Fleisch“ ist es aber ohnehin darauf zu achten, dass das Futter ausgewogen und vor allem bedarfsdeckend ist. Bei jeder Fütterung ist es wichtig, die Gesundheit des Hundes und die Verträglichkeit des Futters an erster Stelle zu setzen. Und das ist vegan sehr gut möglich.

Eine Frage müssen wir zum Schluss natürlich noch stellen: Wie geht es Nelson?
Tessa Zaune-Figlar: Bestens mit seinen inzwischen 16 Jahren – er ist trotz seines plötzlichen Ruhms weiterhin in unserem Team als kritischer Testesser aktiv.