Laut einer Studie der Universität Hohenheim könnte die richtige Frauenförderung die Anzahl der Gründungen im Tech-Bereich verdoppeln.

„Wer Gründungsförderung macht, muss Frauenförderung mitdenken“: Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Universität Hohenheim. Forscher untersuchen darin den Frauenanteil in 20 Gründer-Hochburgen weltweit und kommen zu dem Schluss, dass mehr Gründerinnen einen enormen Zuwachs für die Anzahl und Diversität von Unternehmensgründungen bedeuten könnten.

60.000 Unternehmen mehr könnten in Deutschland pro Jahr entstehen, wenn mehr Frauen gründen würden. In der Gründerhochburg Berlin, wo vor allem die besonders zukunftsträchtigen Tech-Startups aus dem Boden schießen, würde ein höherer Gründerinnenanteil sogar noch mehr ausmachen. So wurden in der Hauptstadt im vergangenen Jahr circa 3.000 dieser Tech-Startups gegründet – bei einem Frauenanteil von nur 9 Prozent. Wenn Frauen die Männer in puncto Gründungen einholen würden, könnten es fast doppelt so viele sein.

Um dies zu erreichen müsse die Politik Frauen aber effizienter fördern – von den bisherigen Maßnahmen profitierten vor allem die Männer.

Für die vergleichende, quantitative Analyse nahmen Prof. Dr. Andreas Kuckertz, Leiter des Fachgebiets Unternehmensgründungen und Unternehmertum, und seine Mitarbeiterin Dr. Elisabeth Berger 20 Städte und Regionen weltweit unter die Lupe, die als Gründer-Hochburgen gelten. Dazu gehören auch Berlin und das amerikanische Gründungszentrum Silicon Valley, und untersuchten Zahlen aus dem Global Startup Ecosystem Ranking und dem Gender Equality Index der Vereinten Nationen.

Wirtschaftsförderung greift bei Frauen nicht

Das auffälligste Ergebnis: Auch wenn die politische Wirtschaftsförderung für viele Start-up-Gründer eine wichtige Rolle spielt, greift sie speziell bei Frauen kaum: „Wir haben festgestellt, dass eine starke politische Förderung keinen Einfluss auf den Anteil der Gründerinnen hat. Im Gegenteil: In Ökosystemen mit wenig politischer Förderung gibt es trotzdem relativ viele Gründerinnen“, stellt das Forscherteam fest.

In Start-up-Ökosystemen mit hohem Männeranteil würde die politische Förderung als sehr positiv wahrgenommen. „Männer werden durch politische Maßnahmen zum Gründen angeregt, Frauen weniger“, sagt Elisabeth Berger. Sie stellt fest, dass die vermeintlich neutrale vorhandene Förderung sich eben doch primär an Männer richtet. „Die Situation sieht also neutral aus, ist aber ungerecht.“

Wenn Frauen gezielt angesprochen würden, verliefe das oft im Rahmen überreizter Klischees: „Um Frauen abzuholen, reicht es nicht, einfach alles pink zu verpacken. Das schreckt viele potenzielle Gründerinnen eher ab.“