Künstliche Intelligenz entwickelt sich derzeit rasant. Ein Berliner Start-up stellt die Technologie nun Unternehmen zur Verfügung, zwei der Gründer gaben dafür ihre Professur auf.  

Als ein Programm der Google-Tochter Deepmind im März den koreanischen Go-Meister Lee Sedol vernichtend schlug, waren nicht nur Fans des asiatischen Brettspiels überrascht, schockiert und fasziniert zugleich. Schließlich waren Experten wenige Monate zuvor noch davon ausgegangen, es würde mindestens eine Dekade dauern, bis Computer Menschen in dem Spiel schlagen können, das so viel komplexer ist als Schach.

Doch die Geschwindigkeit, mit der Computerprogramme selbstständig lernen, steigt rasant. Die Technologie dahinter heißt Deep Learning, mit so genannten neuronalen Netzen wird dabei versucht, die Prozesse im menschlichen Gehirn nachzubilden.

Twenty Billion Neurons nennt sich denn auch ein neues Berliner Start-up für Künstliche Intelligenz, denn die Großhirnrinde besteht aus etwa 20 Milliarden Nervenzellen. Die vier Gründer beschäftigen sich seit langem mit dem Thema und haben einst zusammen an der Universität Bielefeld studiert. Zwei von ihnen haben für das Projekt ihre Professuren aufgegeben: Roland Memisevic forschte und lehrte zuletzt an der University of Montreal, Ingo Bax an der FH Münster.

2,5 Millionen für Twenty Billion Neurons

Mit im Team sind zudem Christian Thurau und Florian Hoppe, die zuvor unter anderem für die Fraunhofer-Gesellschaft gearbeitet haben. Finanziert wird das Start-up in einer Seedrunde mit 2,5 Millionen Dollar von einem New Yorker Privatinvestor, der selbst promovierter Data Scientist ist.

„Viele Probleme an denen wir lange geforscht haben, sind nun in der Realität angekommen“, sagt Thurau. „Es ist so weit, dass man Künstliche Intelligenz (KI) für Industrieanwendungen nutzen kann“. Genau dabei will Twenty Billion helfen. Seit gut einem Jahr hat das Start-up dafür ein Deep-Learning-System entwickelt und trainiert, das nun soweit sein soll, dass es Unternehmenskunden zur Lösung eigener Probleme nutzen können. „Wir haben eine KI-Engine entwickelt, die wir Kunden auf mehreren Wegen flexibel zugänglich machen können“, sagt Thurau. So könne die Technik über die Cloud genutzt werden aber auch in Maschinen oder Roboter integriert werden. Eine Stärke soll in der Bilderkennung liegen. „Wir sind zudem sehr gut darin, Beziehungen zwischen Texten und Bildern herzustellen“, sagt Memisevic.

Das Interesse aus der Industrie sei groß, mit einem Dax30-Unternehmen arbeitet das Start-up bereits an einem Projekt zusammen, mit weiteren gibt es Gespräche. Auch international gebe es erste Kunden. „Die Technologie ist noch nicht richtig nach Deutschland herübergeschwappt, das wollen wir ändern“, sagt Memisevic.

Zum Problem könnte es eher werden, die mögliche Nachfrage zu bedienen. Derzeit hat das Start-up zehn Mitarbeiter, die sollen zwar aufgestockt werden, doch die Gründer wissen selbst, dass KI-Experten sich derzeit den Arbeitgeber quasi aussuchen können.