Fernsehen lebt und ist für Start-ups sogar zunehmend wichtig. Welche Gründer auf TV-Werbung setzen – und wie sie dabei nicht auf die Nase fallen.

Von Jens Twiehaus

Mit Investoren hatten Chris und seine Frau Beata Bahr kein Glück. Ihr Auftritt in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ versprach das große Geld. Doch das Investment von Tourismus-Unternehmer Vural Öger, vor den Kameras verabredet, blieb aus. Das Start-up der Bahrs versank aber nach der Sendung nicht in der Bedeutungslosigkeit, sondern in Aufträgen. Monate mussten Kunden auf ihre Coffee Bags warten, mit denen sich selbst gerösteter Bio-Kaffee tassenweise aufgießen lässt. Chris Bahr sagt heute: „Durch ‚Die Höhle der Löwen‘ kam der große Schub, wir sind dadurch aufgestiegen. Wir haben damals viele Kunden gewonnen und viele sind inzwischen zu Stammkunden geworden.“

Wie das Coffee-Bag-Duo Bahr können viele Gründer vom Medium Fernsehen profitieren. Nachfragen bestätigen: TV ist nicht tot, sondern selbst bei Start-ups mit rein digitalen Geschäftsmodellen zunehmend beliebt. Weil Magazinberichte oder Auftritte in Shows kaum planbar sind, kaufen sich selbst kleinste Firmen Sendezeit in Werbeblöcken. Auch die Bahrs bereiten ihre erste TV-Kampagne vor. Noch diesen Sommer starten sie ein Crowdinvesting, um Budget einzusammeln. Für Chris Bahr ist Fernsehen das Medium, das die größte Aufmerksamkeit liefert, denn: „Im Internet stehen wir verstreut zwischen vielen kleinen Anbietern.“ Seine Frau Beata ergänzt, dass die Kraft bewegter Bilder unschlagbar sei: „Im Fernsehen können wir am besten präsentieren, wie unser Produkt funktioniert.“

Kleine Sender klicken gut

Die Begeisterung hält auch bei Nick Korth nach 13 Jahren im E-Commerce an. Der Offline-Marketingchef des Kochbox-Start-ups Marley Spoon schaltet bevorzugt auf kleineren Sendern – Spots von Marley Spoon sind derzeit bei RTL2 zu sehen. Kleinere Sender bieten nicht automatisch kleine Preise, dafür klickfreudigere Zuschauer. „Meine Vermutung ist, dass mehr Leute diese Programme nebenbei schauen und den Laptop mit auf dem Sofa haben“, sagt Korth. Nach einem Spot auf RTL2 gehen zumeist mehrere hundert Zuschauer auf die Website von Marley Spoon. Das klingt nicht nach dem großen Durchbruch, Korth betont aber, dass es mehrmalige Markenkontakte braucht, damit Leute sich aktiv informieren.

Korth, früher unter anderem beim Klingelton-Anbieter Jamba und bei Lieferheld, setzt auf einen Offline-Mediamix aus Plakat, Paketbeilagen, Postwurf, TV und Radio. Möglich wird das, weil Marley Spoon auch im Einkauf von Werbezeiten auf den Mix setzt: Korth verhandelt direkt mit Sendern, schaltet Mediaagenturen zwischen und arbeitet mit German Media Pool. Das Unternehmen bietet Media-for-Equity, also Werbeflächen im Tausch gegen Unternehmensanteile. Doch auch der Offline-Experte Korth weist auf eines hin: „Wer sein Produkt launcht, sollte sich zuerst darauf fokussieren, sein Online-Marketing richtig gut aufzusetzen. TV ist der zweite Schritt.“