Ein Trauerfall in der Familie schmerzt. Nach dem Tod müssen sich die Angehörigen um die Bestattung kümmern. Neue Portale im Internet versprechen, das günstiger zu machen.

Wenn von „einem besonders attraktiven Marktsegment“ die Rede ist, denkt man eher nicht an Tod und Trauer. Doch genau so beschreibt der Manager eines Berliner Wagniskapitalfonds das Bestattungsgewerbe. Der VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin der landeseigenen Investitionsbank und eine Investorengruppe unterstützen seit dem Frühjahr die Start-up-Firma Mymoria. Sie betreibt eine Online-Plattform, die die Planung einer Bestattung «sicher von zu
Hause» verspricht, und das „bei voller Kostenkontrolle“.

Die Bestattungskosten sind ein heikles Thema für das Gewerbe. Es steht unter dem Generalverdacht, Verzweiflung und Hilflosigkeit Angehöriger auszunutzen, um dicke Geschäfte zu machen. Oliver Wirthmann, der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter, meint dazu: „In diesem Segment gibt es kein Preisgefühl.“ Statistisch werde man alle 18 Jahre mit dem Tod eines engen Angehörigen konfrontiert, den Kunden fehlten deshalb Erfahrungswerte. Vergleichsportale wie Bestattungen.de und Bestattungsvergleich.de werben damit, günstige Angebote für den Trauerfall zu finden. Mymoria bietet selbst Arrangements an.

Neue Angebote grundsätzlich positiv

Wirthmann als Vertreter der etablierten Branche ist von den Online-Wettbewerbern nicht begeistert: „Viele wissen nicht, dass diese Portale provisionsbasiert sind. Das ist ein großes Problem“, sagt er. „Wir raten davon ab, solche Vergleichsportale zu nutzen. Besser ist ein Preisvergleich von mehreren Bestattern in der Region und dabei Kostenvoranschläge einzuholen.“

Verbraucherschützer halten hingegen neue Angebote von Online-Portalen und Discountern grundsätzlich für positiv. „Wir freuen uns über Alternativen“, sagte der Jurist Matthias Wins von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern in Rostock und erinnert an die Optiker, die erst nach Jahrzehnten Konkurrenz durch Filialketten bekamen.

Er erfahre immer wieder von Fällen, in denen sich Hinterbliebene vom örtlichen Bestatter überrumpelt und ausgenutzt fühlten, erzählt Wins. Ein Test vor zwei Jahren habe gezeigt, dass die Unternehmen selten bereit seien, ihre Geschäftsbedingungen offenzulegen. Klar sei aber auch, dass es bei Online-Angeboten ebenso „böse Überraschungen“ geben könne.  Mymoria-Mitgründer Björn Krämer wirbt für sein Portal mit Preistransparenz und einem kompletten Angebot: „Wir machen alles bis auf die Dienstleistungen vor Ort wie Überführung und Trauerfeier.“ Dafür werde einer von mehr als 100 Partner-Bestattern engagiert.