Auch in Japan dringen Fintechs in die etablierte Finanzwelt vor. Transferwise bietet Japanern günstige Überweisungen ins Ausland an. Doch die Bankenriesen wollen nicht tatenlos dabei zuschauen.

Der japanische Bankenverband sitzt in einem etwas altbackenen Gebäude unweit des Kaiserpalastes in Tokio. Hier, im Stadtteil Otemachi, thronen die Banken-Bastionen der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Ein Hauch von Tradition und Nostalgie umgibt den Besucher beim Betreten der schlichten Eingangshalle. Doch als Taavet Hinrikus im 14. Stock vor die Finanzpresse tritt, verflüchtigt sich die Aura japanischer Banken. Statt in dunklem Anzug erscheint der Este in Jeans und Turnschuhen, zweifarbigen Socken mit hellen Kreisen, dazu ein legeres Sacko. Der Mann wirkt zunächst gar nicht wie ein Finanzexperte. Doch zusammen mit seinem ebenfalls locker gekleideten Japan-Manager Kazuma Ochi ist er gekommen, um Nippons altehrwürdige Bankenkolosse etwas aufzumischen.

Hinrikus ist Mitgründer und Chef des Fintech-Start-ups Transferwise. Die von ihm und seinem Geschäftspartner Kristo Käärmann 2010 gegründete Internet-Plattform macht Überweisungen in andere Länder billiger. Transferwise zählt nach eigenen Angaben inzwischen mehr als eine Million Nutzer, die monatlich mehr als 1,1 Milliarden Dollar transferieren – und dabei jeden Monat 50 Millionen Dollar sparten, da sie nicht die bei konventionellen Banken üblichen hohen Gebühren zahlen müssen, heißt es. Das sollen nun auch die Japaner können.

Transferwise betrachtet Japan als einen Schlüsselmarkt. Nicht nur lebten 1,3 Millionen Japaner im Ausland und 2,2 Millionen Menschen aus Übersee in Japan. Auch sei Japan eines der am schnellsten wachsenden Reiseziele für Touristen in ganz Asien. Bis zu den Olympischen Spielen in Tokio im Jahr 2020 will das Inselreich die Zahl ausländischer Touristen auf rund 40 Millionen verdoppeln.

Wer Geld nach Japan oder umgekehrt ins Ausland überweisen will, muss bei den traditionellen Banken des Landes derzeit hohe, auch versteckte Gebühren zahlen. Japanische Banken würden für solche Überweisungen Gebühren von bis zu 10 Prozent des Überweisungsbetrages erheben, heißt es bei Transferwise. Das dauere zwei bis fünf Tage. Transferwise biete den Service dagegen bis zu drei Mal billiger an und benötige nur ein bis zwei Geschäftstage, so das Unternehmen.

Doch Japans große Banken wollen dem Vormarsch solcher Stsrt-ups nicht einfach tatenlos zusehen. Die Megabanken des Landes seien eifrig dabei, nun selbst Plattformen für günstige internationale Geldüberweisungen zu entwickeln, berichtete kürzlich die japanische Finanzzeitung „Nikkei“. Hinkten Japans Bankenriesen westlichen Rivalen im Fintech-Bereich anfangs hinterher, so versuchten sie jetzt, aufzuholen. Zwar würden die Banken künftig nicht mehr so viel an Gebühren einnehmen, doch würden sie von der Furcht getrieben, Marktanteile zu verlieren, schrieb die Finanzzeitung.

So arbeite die Mitsubishi UFJ Financial Group in einem im Mai in Tokio eröffneten Labor an einer Plattform mit Hilfe der Expertise von Coinbase, einem US-Broker für virtuelle Währungen. Auch andere japanische Banken sind ähnlich aktiv geworden. Seit kurzem dürfen sich Japans Banken nach neuer Gesetzgebung auch in Fintech-Firmen einkaufen. Indem sich die etablierten Großbanken so die Kreativität und die Geschwindigkeit von innovativen Start-ups zu Nutzen machten, könnte Japans Fintech-Markt ein deutliches Wachstum erleben, meinte „Nikkei“.