Das in Wien ansässige Start-up ist auf die Vermittlung mehrtägiger Reisen spezialisiert – und will nun auch den deutschen Markt ins Visier nehmen.

Acht Tage auf dem Inca-Trail in Peru, in vier Tagen von Rom nach Neapel oder lieber zehn Tage durch Namibia? Auf organisierte Reisen wie diese ist Tourradar spezialisiert. Die Online-Plattform ermöglicht es Einzelpersonen, sich einen Platz in einer Gruppenreise zu sichern. Neue Buchungen vermeldet das Wiener Start-up nun auch an der Finanzierungs-Front: 50 Millionen Dollar (43 Millionen Euro) Wagniskapital kamen bei einer gerade abgeschlossenen Finanzierungsrunde zusammen, gab Tourradar heute bekannt.

Die Meldung fällt auf denselben Tag, an dem auch Celonis eine Finanzierung in Höhe 50 Millionen Dollar bekanntgegeben hat. Doch während die Münchener Softwareschmiede sich im Heimatmarkt bereits einen Namen gemacht hat, ist Tourradar in der DACH-Region nahezu unbekannt. Eine deutschsprachige Seite gibt es trotz Firmensitz in Wien bislang nicht – die Kunden kommen überwiegend aus den USA, Australien und Kanada.

Das Bild könnte sich aber bald deutlich wandeln. „Wir planen unser Angebot in den kommenden Monaten in mehrere Sprachen auszuweiten und denken hierbei auch an die DACH-Region“, erklärte Marketingchef Michael Pötscher gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Dass Tourradar in Österreich sitzt, sei einem Zufall zu verdanken: Travis Pittmann, einer der zwei australischen Gründerbrüder habe sich in Barcelona in eine Österreicherin verliebt – und sei ihretwegen nach Wien gezogen. Um Investments am neuen Standort abzuwickeln, sei dann auch der Firmensitz verlegt worden.

Prominenter Wagniskapitalgeber aus dem Silicon Valley

Seither hat das 2010 gegründete Start-up einen internationalen Kreis an Investoren gewonnen. Neben anderen sind Speedinvest aus Wien, Endeit Capital aus Amsterdam, Hoxton Ventures aus London und Cherry Ventures aus Berlin an dem Start-up beteiligt. Nun ist ein großer Name aus dem Silicon Valley hinzugekommen: Leadinvestor der Finanzierungsrunde war TCV. Der Wagniskapitalgeber ist bekannt für frühe Investments in heutige Techriesen wie Facebook, Spotify, Netflix, Airbnb und Expedia. Von TVC fließt indes nicht nur Geld: Mit Erik Blachford wird ein TCV-Manager, der einst CEO von Expedia war, Mitglied des Aufsichtsrats von Tourradar.

Derzeit lassen sich über Tourradar mehr als 25.000 Touren in 200 Ländern buchen – das Start-up arbeitet dazu eigenen Angaben zufolge mit mehr als 600 Veranstaltern zusammen. Aktuell beschäftigt der Online-Reiseanbieter 150 Mitarbeiter, etwa die Hälfte davon arbeiten in Wien. Niederlassungen gibt es zudem im kanadischen Toronto und im australischen Brisbane.

Mit dem frischen Kapital will Tourrader das weltweite Team ausbauen. Um etwa in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu wachsen, seien erhebliche Investitionen erforderlich, sagte Pötscher: „Die Herausforderung liegt einerseits in der Übersetzung und Ausweitung des bestehenden Angebots, der Suche nach neuen regionalen Reiseveranstaltern und der Rekrutierung von deutschsprachigem Support- und Marketingpersonal.“