Das dänische Start-up Too Good To Go konnte alle fünf Löwen von sich überzeugen. Warum die Gründer trotzdem lieber alleine weiter machten.

Die Zahlen, mit denen sich die Gründer von Too Good To Go gestern Abend in der Höhle der Löwen präsentierten, hatten es in sich und sicherten den Dänen die volle Aufmerksamkeit der fünf Jurymitglieder – und dabei ging es nicht um Umsatzprognosen: Jedes Jahr landen allein in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. Weltweit sind es ein Drittel aller Nahrungsmittelprodukte. Und das nicht etwa, weil sie ungenießbar wären, sondern weil sie am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden dürfen.

Das Start-up Too Good To Go will dieser Lebensmittelverschwendung den Kampf ansagen. Zu diesem Zweck haben sie eine App entwickelt, mit der man in Restaurants und Supermärkten vergünstigtes Essen kaufen kann, das sonst entsorgt werden müsste.

Um ihr Konzept weiter auszubauen, baten die die Gründer die Löwen um eine Millionen Euro und versprachen dafür fünf Prozent der Firmenanteile. Eine zu hohe Bewertung befanden die potentiellen Investoren – zunächst. Denn die Gründer gaben nicht auf und machten einen Vorschlag, den die Löwen schlussendlich nicht ausschlagen konnten.

Co-Gründer Klaus Pedersen erzählt im Interview warum die Gründer trotz dieses Triumphs am Ende lieber alleine weiter machten und wie es aktuell für Too Good To Go läuft.

Klaus, einen Auftritt wie euren hatte es in der Höhle der Löwen bisher nicht gegeben. Erst stiegen alle Löwen angesichts eurer hohen Bewertung aus, dann stiegen alle nach einer längeren Verhandlung wieder ein. Wie kam es denn dazu?
Wir haben gespürt, dass die Löwen von unserem Konzept und von dessen Umsetzung angetan waren und dass das Problem vielmehr die hohe Bewertung war. Wir konnten nachvollziehen, dass eine Millionen Euro für einen einzelnen Investor viel Geld ist und so haben wir schnell umgedacht und vorgeschlagen, dass sich die Löwen die Summe teilen und dafür rund neun Prozent des Start-ups bekommen.

Andere Gründer hätten die Absage vielleicht akzeptiert, ihr nicht…
Ja, denn als Unternehmer muss man Kampfgeist haben. Wir glauben an unsere Idee und darum können wir auch andere davon überzeugen. Als Gründer hat man es nicht immer leicht: Im ersten Jahr nach der Gründung von To Good To Go haben wir alle kein Geld verdient. Wir konnten uns keine Wohnung leisten, haben zusammen im Büro auf Matratzen geschlafen, zum Duschen mussten wir ins Fitnessstudio gehen. Aber wir hatten eine Mission, nämlich die Lebensmittelverschwendung in dieser Welt einzudämmen, da nimmt man so manche Schwierigkeit in Kauf. Mittlerweile erhält jeder von uns ein kleines Gehalt, so dass wir uns alle eine eigene Wohnung leisten können und wieder ein ziemlich normales Leben führen.

Kam es denn am Ende tatsächlich zum Deal?
Nein, aber das lag nicht an den Löwen, sondern daran, dass wir selbst entschieden haben auf weitere Investoren zu verzichten. Wir hatten einige Monate vor der Aufzeichnung, im November 2016, bereits drei dänische Business Angel in unser Start-up aufgenommen und waren seitdem enorm gewachsen. Nach den Verhandlungen mit den Löwen über den Sommer hinweg war dann klar, dass schlussendlich die Konditionen für einen Deal für keine Seite mehr so richtig ideal waren, denn die Löwen konzentrieren sich ja in erster Linie auf Frühphaseninvestitionen. In Kontakt waren wir in den Monaten nach der Aufzeichnung aber dennoch und haben viele wertvolle Tipps und Kontakte bekommen. Da zeigt uns, dass unsere Idee ankam. Und wer weiß, vielleicht kommt es in Zukunft ja noch zu einer Zusammenarbeit – ausgeschlossen ist das jedenfalls nicht.

Könnt ihr verraten wer die Business Angel sind?
Gerne! Dabei handelt es sich um Mette Lykke, Gründerin von Endomondo und mittlerweile auch CEO von Too Good To Go, Preben Damgaard, Tech Entrepreneur und Gründer von Navision, der bei uns als Chairman of the Board fungiert, und Brigit Aaby, Unternehmerin und Mitglied der Jury der Höhle der Löwen in Dänemark.

Wie steht euer Start-up aktuell da? Haben sich die in der Sendung genannten Zahlen bestätigt?
Wir sind absolut zufrieden mit unserer Entwicklung. In einem Start-up laufen manche Prozesse natürlich noch etwas chaotisch ab und vieles wird ausprobiert, aber das macht es ja auch so spannend. Die Umsatzprognose für Deutschland hat sich tatsächlich bestätigt, gerade im dritten Quartal sind wir sehr stark gewachsen. Wir erwarten einen Umsatz von 500.000 Euro für dieses Jahr. Deutschland ist für uns ein wichtiger Markt, denn die Menschen hier sind sehr offen für Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit. Auch in den anderen sechs Ländern in denen wir aktiv sind läuft es sehr gut, vor allem in Frankreich sind wir richtig durchgestartet und Dänemark ist nach wie vor unser wichtigster Markt. Insgesamt wird der europaweite Umsatz mit erwarteten 32, Millionen Euro in diesem Jahr sogar doppelt so hoch sein wie erwartet.

Wie soll es für Too Good To Go weitergehen?
Wir wollen zunächst einmal Too Good To Go so schnell wie möglich überall in Deutschland anbieten können. Zurzeit haben wir 1400 Restaurants und Lebensmittelhandlungen gelistet, aber es sollen noch erheblich mehr werden.

Übrigens freuen wir uns auch, wenn gastronomische Betriebe sich bei uns von sich aus melden, da wir selbst natürlich nicht überall gleichzeitig sein können. Wir arbeiten auch daran, unser Angebot immer weiter zu verbessern, beispielsweise in der App mehr Filteroptionen anzubieten. Und Anfang 2018 werden wir in den Niederlanden starten.

Plant ihr denn auch eine Expansion außerhalb Europas?
Wir wollen auf jeden Fall mit To Good To Go irgendwann in die USA gehen.

Wieder eine Herausforderung…
Wir machen es uns einfach und starten in den Metropolen, zum Beispiel an der Ostküste dort, wo den Menschen Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz wichtig sind. Es wäre wohl keine gute Idee im tiefen mittleren Westen zu starten. Wer Trump wählt und den Klimawandel für einen Mythos hält, wird sich kaum für den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung interessieren.