Die Telemedizin-Plattform erhält sieben Millionen Euro. Nach dem Ende des Fernbehandlungsverbots machen immer mehr Kassen, Ärzte und Patienten mit.

Zügige Ferndiagnose am heimischen Computer statt Verzögerungen im überfüllten Wartezimmer der Praxis: Mit diesem Versprechen tritt die Telemedizin-Plattform Teleclinic an. Eine regulatorische Lockerung hat die Möglichkeit des digitalen Arzt-Patienten-Kontakts im Frühsommer gelockert – jetzt will das Start-up wachsen. Und die Investoren werden mutiger: Nach einer Anschubfinanzierung über zwei Millionen Euro vor knapp einem Jahr vermeldet Teleclinic nun den Abschluss über sieben Millionen Euro zugesagtem Wachstumskapital.

Das Geld stammt von der europäischen Investmentgesellschaft Idinvest Partners, die nach eigenen Angaben auch an deutschen Digitalunternehmen wie der Proptech-Plattform Allthings oder dem Versicherungs-Start-ups Wefox beteiligt ist. Man sehe in Teleclinic einen „Pionier in einem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld und einem Markt mit großem Potential“, lässt sich Idinvest-Partner Matthieu Baret in einer Pressemitteilung zitieren.

Das Marktpotenzial in Deutschland für Telemedizin war lange eher theoretisch – das sogenannte Fernbehandlungsverbot in der Berufsordnung der Ärzte verhinderte, dass Patienten ihren ersten Besuch bei einem Mediziner virtuell absolvieren durften. Diese Einschränkung hatte der Deutsche Ärztetag im Mai nach intensiven Diskussionen gekippt.

Digitaler Doktor auf vielen Kanälen

Bereits vorher hatten sich Technologieanbieter jedoch in dem Bereich vorgetastet. Dr. Ed arbeitete von Großbritannien aus, Fernarzt.com ebenfalls. Teleclinic hatte im Frühjahr in Baden-Württemberg mit umfangreicheren Beratungsprojekten in Baden-Württemberg gestartet, dort in enger Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung.

Nach Angaben des Start-ups haben heute bereits 50 Prozent der Privatversicherten in Deutschland die theoretische Möglichkeit, einen Arztbesuch über Teleclinic zu erledigen und abrechnen zu können. Zudem können sie in Kooperation mit Apotheken deutschlandweit elektronisch Rezepte einreichen.

Bei Versicherten in der gesetzlichen Krankenkasse soll das im kommenden Jahr möglich werden. Auch hier sollen die Kooperationen mit Krankenkassen ausgebaut werden – aktuell hätten neun Millionen gesetzlich Versicherte Zugang zu den telemedizinischen Leistungen, so Teleclinic. „Deutschland braucht die Telemedizin, um Herausforderungen wie dem demographischen Wandel effizient zu begegnen“, sagte Teleclinic-Chefin Katharina Jünger.

Auf die Digitalisierung des milliardenschweren Gesundheitsmarktes setzen auch andere Start-ups. Gestern etwa konnte das Unternehmen hinter der Plattform Nebenwirkungen.de den Abschluss einer Finanzierungsrunde bekanntgeben. An der Digitalisierung der Arztpraxen arbeiten Terminplattformen wie Doctolib.