Neben dem Onlinehändler beteiligen sich auch Eon und mehrere Risikokapitalgeber. Das Münchener Start-up will so noch stärker Hardware und App positionieren.

Tatkräftige Unterstützung für Tado: Das Münchener Start-up hat eine Finanzierungsrunde über umgerechnet 43 Millionen Euro bekanntgegeben. Die will das junge Unternehmen breit einsetzen: Sowohl in vernetzte Thermostate zur Steuerung von Heizung und Kühlung selbst, als auch in die Entwicklung neuer Produkte sowie den bereits weltweit aufgestellten Vertrieb soll investiert werden. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Kapital aufzunehmen und dafür zu nutzen, Tado als Nummer eins in diesem wachsenden Markt zu etablieren“, lässt sich Vorstandschef Toon Bouten zitieren.

Für Aufsehen sorgt dabei die Mischung der Investoren, die sich jetzt an Tado beteiligen: Mit dabei ist unter anderem der amerikanische Onlinekonzern Amazon. Der ist mit einer Handelsplattform groß geworden, investiert jedoch zunehmend auch in vernetzte Haushaltsgeräte. Im Februar dieses Jahres übernahm Amazon etwa für eine Milliarde Dollar das US-Start-up Ring, welches ein neues Haustür-Videosystem entwickelt hat. Ring war zuvor unter anderem von Richard Branson mitfinanziert worden, wie Gründer Jamie Siminoff im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer berichtete.

Hoffnungen auf den Smart-Home-Markt

Mit der Sprachsoftware Alexa will Amazon eine Schnittstelle zu einem immer größeren Angebot an Haushaltsgeräten bieten. In diese Strategie passt Tado genau – die App zur Steuerung der Thermostate lässt sich bereits über Alexa ansteuern.

Daneben beteiligt sich auch der deutsche Energiekonzern Eon an der aktuellen Finanzierungsrunde von Tado. Der Konzern vertreibt die Produkte des Start-ups bereits in seinen Smart-Home-Shops. Insgesamt wolle man die Partnerschaften zu den neuen Investoren stärken, sagte Tado-Mitgründer Christian Deilmann gegenüber dem Handelsblatt.

Mit Total Energy Ventures, Energy Innovation Capital, Inven Capital und der Europäischen Investmentbank gehören weitere Geldgeber zu der aktuellen Runde, die zum Teil eine inhaltliche oder strategische Nähe zu Energiethemen haben. Tado selbst gibt an, insgesamt knapp 90 Millionen Euro an Risikokapital eingesammelt zu haben. Für das 2011 gegründete Unternehmen arbeiten aktuell 180 Mitarbeiter.

Auf dem Smart-Home-Markt ruhen die Hoffnungen vieler deutscher Start-ups. Dabei decken die Angreifer die gesamte Wertschöpfung ab: Die Palette reicht von Softwareanwendungen für die Steuerung von Heizgeräten bis hin zu neu gestalteten Schaltern, mit denen neu vernetzte Lichtsysteme aktiviert werden können. Eine Studie im Frühjahr hatte gezeigt, dass Kunden neugierig auf die neuen Möglichkeiten sind – gerade junge und unbekannte Anbieter jedoch noch Überzeugungsarbeit leisten müssen.