Konzerne steigern ihre Investionen in junge Tech-Firmen deutlich. Doch manchen fehle eine Strategie, kritisiert eine aktuelle Studie.

Die Hoffnung auf digitale Geschäftsmodelle wächst: Unternehmen stecken immer mehr Geld in Beteiligungen an Start-ups. Im vergangenen Jahr wurden weltweit etwa 38 Milliarden Dollar (umgerechnet 33 Milliarden Euro) an sogenanntem Corporate Venture Capital investiert. Das zeigt eine heute veröffentlichte Untersuchung der Beratungsgesellschaft BCG, die WirtschaftsWoche Gründer vorab vorlag (hier geht es zum Dokument).

Das absolute Gros an Kapital stammt dabei immer noch von institutionellen Investoren. Die in aller Regel strategisch eingesetzten Beteiligungen der Unternehmen machen laut BCG-Zahlen nur 26 Prozent des gesamten investierten Risikokapitals von 147 Milliarden Dollar aus. Doch in den vergangenen fünf Jahren sei die Investitionssumme der Firmen um jährlich 31 Prozent gestiegen. Besonders viel Schwung kommt dabei aus Asien und den USA, aber auch in Deutschland ist der Trend zu beobachten. „Obwohl die Investments erheblich an Reife gewonnen haben, bleibt viel Raum für Verbesserungen“, urteilen die Studienautoren.

Viele Wege, wenig Strategie

Den sehen die Berater vor allem bei konsequenteren Strategien der Konzerne. Zu häufig bestimmten kurzfristige Gewinnerwartungen das Denken von Firmenvertretern, so die Studie – dabei sind gerade Beteiligungen an Start-ups häufig eine Wette auf die Zukunft. Im vergangenen Jahr hatten einige Konzerne in Deutschland ihre Förderprogramme auf den Prüfstand gestellt und zum Teil eingestellt, zum Teil stärker auf eine rasche Profitabiltät ausgerichtet.

Zudem sei es nötig, dass die Beteiligungen zu einem generellen Transformationsplan des Unternehmens passen. Im Eifer des digitalen Gefechts geht dabei jedoch manchmal einiges durcheinander. Eine andere Beratung zeigte im Frühjahr auf, dass alleine die 30 deutschen Dax-Konzerne gemeinsam auf 67 unterschiedliche Anlaufstellen für Start-ups verfügen – vom Company Builder über Accceleratoren-Programme bis zur Beteiligungsgesellschaft. Nicht in jedem Fall sind dabei alle Start-up-Einheiten mit demselben Plan unterwegs.

Satte Investitonen statt vieler Experimente

Die Zahlen der aktuellen Studie deuten zudem an, dass sich viele Unternehmen eher in späteren Phasen an Start-ups beteiligen – und dann auch häufiger bereit sind, viel Geld in die Hand zu nehmen. Denn obwohl sich die investierte Summe so deutlich erhöht hat, bleibt die Anzahl von Finanzierungen, an denen Unternehmen beteiligt sind, nahezu gleich. Eine mögliche Erklärung: Firmen schauen sich gezielter an, welches digitale Geschäftsmodell tatsächlich funktioniert und steigen erst nach der Aufbauphase ein.

Laut BCG-Zahlen sind an 12 Prozent der weltweiten Deals Firmen beteiligt – in den Vorjahren stand dieser Welt stabil bei elf Prozent. Daimler war in Deutschland beispielsweise schon früh bei MyTaxi eingestiegen und hatte das Start-up bereits 2014 komplett übernommen. Zuletzt waren für den Autokonzern auch größere Tickets kein Problem mehr: Im vergangenen Jahr war das Unternehmen an einer Finanzierungsrunde von fast 80 Millionen Euro in den Carsharing-Dienst Turo beteiligt.