Gegenüber ihren Kollegen in etablierten Unternehmen müssen Angestellte von Start-ups deutliche Abschläge beim Gehalt hinnehmen – und sitzen länger im Büro.

„Spannende Aufgaben“, „flache Hierarchien“, „dynamisches Umfeld“: Mit Floskeln wie diesen werben Start-ups oft um Personal – die Verdienstmöglichkeiten dagegen werden selten herausgestellt. Und das aus guten Grund, wie eine nun veröffentliche Erhebung von Gehalt.de in Kooperation mit Gründerszene Karriere zeigt. Demnach müssen Angestellte bei Start-ups gegenüber etablierten Unternehmen deutliche Abschläge beim Gehalt hinnehmen.

Während Fachkräfte bei Start-ups laut der Studie im Schnitt 41.000 Euro verdienen, liegt das Bruttojahreseinkommen bei etablierten Unternehmen bei 57.500 Euro. Noch krasser ist das Gehaltsgefälle bei Führungskräften: Sie verdienen mit 54.300 Euro knapp 41.500 Euro weniger als in der klassischen Industrie (95.800 Euro). Hinzu kommen Prämien, die bei Unternehmen der „Old Economy“ häufiger gezahlt werden und üppiger ausfallen.

Ausgewertet für die (nicht repräsentative) Studie wurden laut Gehalt.de Angaben von 1.600 Beschäftigten in Start-ups. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren. Jeder zweite Befragte arbeitet im E-Commerce, bei einem IT-Dienstleister oder einer Medien- oder Werbeagentur. Verglichen wurden die Ergebnisse mit über 20.000 Gehaltsangaben aus der klassischen Industrie.

Längere Arbeitszeiten, weniger Urlaub

Überraschend ist das Gehaltsgefälle nicht: Start-ups sind gerade in der Anfangsphase chronisch knapp bei Kasse – schon bis sich die Gründer selbst ein Gehalt auszahlen dauert es oft einige Zeit. Ob vermeintlich spannendere Aufgaben ausreichen, um dauerhaft Fachkräfte zu überzeugen, ist mehr als fraglich. Laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom aus dem vergangenen Jahr konnte bereits jedes zweite Start-up offene Stellen nicht besetzen. Das gilt demnach vor allem für IT-Experten, die sich ohnehin häufig unterbezahlt fühlen.

Auch in puncto Arbeitszeiten können Start-ups nicht mit etablierten Unternehmen mithalten, wie die aktuelle Studie von Gehalt.de zeigt. Demnach liege zwar die vertragliche Wochenarbeitszeit für Angestellte von Unternehmen beider Gruppen gleichauf bei 39 Stunden. Die tatsächliche Arbeitszeit liegt bei Start-ups aber bei 42 Stunden – während in etablierten Unternehmen 40 Stunden anfallen. Hinzu kommt: Im Schnitt bekommen Start-up-Mitarbeiter im Jahr zwei Urlaubstage weniger.