Vielerorts schließen sich Start-ups und etablierte Unternehmen zusammen, um an Innovationen zu tüfteln. Partnerprojekte sind laut einer Studie oft erfolgreich, aber es gibt auch Risiken.

Schulterschluss für Innovation und Schnelligkeit: Dass Start-ups bei etablierten Unternehmen besonders für konkrete Partnerprojekte gefragt sind, zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage der Beratungsfirma Campana & Schott. Demnach haben 70 Prozent der befragten Führungskräfte aus Großunternehmen angegeben, diese Form der Zusammenarbeit am häufigsten zu wählen. Weniger beliebt seien Accelerator-, Work Shadowing- und Inkubator-Programme, so die Studie, die WirtschaftsWoche Gründer vorab vorliegt. Grund sei, dass etablierte Firmen konkreten Projekten in der Regel höhere Erfolgschancen ausrechneten als den allgemein gedachten Förderprogrammen.

Befragt wurden branchenübergreifend 136 Führungskräfte, überwiegend tätig bei großen Unternehmen mit mindestens 10.000 Mitarbeitern. Deren Sichtweise wurde verglichen mit den Aussagen der Start-up-Gründer, die zum Großteil aus kleinen Nachwuchsunternehmen mit maximal zehn Mitarbeitern stammen.

Erfolgreich bewerten jeweils zwei Drittel der etablierten Unternehmen und Start-ups die Zusammenarbeit. Bei mehr als 86 Prozent hätten sich die Erwartungen erfüllt. Die Vorteile der Kooperation liegen aus Sicht der etablierten Unternehmen vor allem in neuen Impulsen durch die Kreativität von Start-ups. Außerdem geben zwei Drittel der Manager in etablierten Firmen an, sich von den Gründern neue technische und fachliche Fähigkeiten abgeschaut zu haben. Insgesamt sind knapp drei Viertel der Befragten überzeugt, durch die Kooperation mit digitalen Innovationen vorangekommen zu sein.

Risikoreich: Die Kluft überbrücken

Völlig problemlos verlaufen die gemeinsamen Vorhaben jedoch auch laut der aktuellen Studie nicht: So beklagt die Hälfte der Befragten in Großunternehmen eine fehlende Bereitschaft des eigenen Unternehmens zur Zusammenarbeit. Als Risiko sehen die Umfrageteilnehmer außerdem, die Leistungsfähigkeit des Start-ups falsch einzuschätzen. Befürchtet werde außerdem ein zu niedriger Qualitätsanspruch seitens der Gründer.

Start-ups bemerken sogar in fast 70 Prozent der Fälle bei gemeinsamen Projekten eine Ablehnungshaltung des Partners. Als riskant bewerten die Gründer, sich zu stark abhängig zu machen. Auch andere Studien belegen, dass immer noch eine erhebliche Kluft zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups besteht. Einige Mittelständler verweigerten sich immer noch dem Austausch.

Bei der Annäherung helfen laut der Studie von Campana & Schott digitale Werkzeuge für die Zusammenarbeit. Etwa mit Hilfe von Kommunikations-Plattformen fänden die Projektpartner zu einer gemeinsamen Arbeitsbasis – trotz unterschiedlicher Führungskultur und Bewertungssystemen. Zwei Drittel der Umfrageteilnehmer hätten solche Arbeitsmittel benutzt, laut 70 Prozent der Befragten war es einfach, sich auf ein Tool zu einigen.

Aussichtsreich: Zusammenarbeit auf Augenhöhe

„Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg solcher Kooperationen besteht darin, dass beide Seiten profitieren, die Chemie zwischen den Beteiligten stimmt und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfindet“, kommentiert Peter Buxmann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität Darmstadt und Leiter des Innovations- und Gründungszentrums Highest, die Studienergebnisse.

Sich klare Ziele zu setzen, steigert laut Eric Schott, CEO von Campana & Schott, ebenfalls die Erfolgsaussichten: „Unternehmen müssen eine klare und eindeutige Strategie formulieren, welche Zielsetzung sie mit der Beziehung zu Start-ups anstreben.“ Aufgrund des hohen Marktdrucks sei zu erwarten, dass künftig mehr Kooperationen zwischen Gründern und etablierten Unternehmen zustande kämen.