Die Kultur des Scheiterns scheint in Deutschland immer noch nicht anzukommen: Jeder Zweite bewertet das Scheitern eines Unternehmens negativ.

Für seine Kultur des Scheiterns ist Deutschland nicht gerade bekannt. Das hat nicht nur Christian Lindner im Februar sehr deutlich zu spüren bekommen, als er sich im Landtag wegen seiner unternehmerischen Misserfolge rechtfertigen musste. Eine Studie der Universität Hohenheim unter rund 2000 Personen bestätigt diesen Eindruck nun.

Die Wissenschaftler beschreiben darin ein interessantes Paradoxon: Zwar sehen vier von fünf Befragten das Scheitern als Quelle der Selbstreflexion, die langfristig einen positiven Einfluss ausüben könnte. Doch wenn es um unternehmerisches Scheitern geht, äußert sich eine ganz andere Sicht: Nur jeder Zweite kann dem Misserfolg dann noch etwas Positives abgewinnen.

Ein kleiner Kulturwandel deutet sich an

Immerhin drei von vier Befragten würden einem gescheiterten Unternehmer aber eine zweite Chance geben. Gerade Selbstständige zeigen in diesem Punkt besonders viel Toleranz. Doch obwohl sich so viele der Befragten für eine zweite Chance aussprechen, wollen sie lieber, dass diese nicht von ihnen selbst, sondern von anderen kommt. So sagen mehr als 40 Prozent der Studienteilnehmer, dass sie Vorbehalte gegen ein gescheitertes Unternehmen haben.

Doch immerhin deutet die Studie auf einen langsamen Kulturwandel hin. Denn bei der Bewertung eines Fehlers spielt laut der Untersuchung das Alter eine große Rolle. Während die 18- bis 29-Jährigen ein unternehmerisches Scheitern eher positiv bewerten, sehen die 60- bis 67-Jährigen das Thema kritischer. „Dies könnte ein Indiz für einen anstehenden Kulturwandel und ein gesellschaftliches Umdenken sein“, sagt Andreas Kuckertz, Professor am Lehrstuhl Entrepreneurship.

Das gilt zumindest dann, wenn die Ergebnisse tatsächlich auf eine Umdenken in der Gesellschaft hindeuten und nicht darauf, dass wir im Alter weniger verzeihen.