Noch arbeiten Start-ups und Behörden nur selten zusammen. Eine Umfrage zeigt jetzt, woran das liegt – und wie die Kooperationen an Tempo gewinnen könnte.

Zu starre Regulierungen, zu lange Verfahrensdauern: Immer wieder klagen Start-ups in Deutschland darüber, dass sie sich von der Bürokratie ausgebremst fühlen – sei es auf Bundes- oder Landesebene. Das gleiche gilt auch für die tatsächliche Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Behörden, wie eine aktuelle Umfrage der Hertie School of Governance und des Institus für den öffentlichen Sektor, welches durch die Beratungsgesellschaft KPMG gefördert wird. Denn viele digitale Produkte und Dienste könnten theoretisch auch von öffentlichen Stellen gekauft und genutzt werden.

Noch passiert da aber wenig: Bei der Umfrage unter 42 Start-ups gab mehr mehr als die Hälfte der Unternehmen an, noch keine Geschäftsbeziehungen oder Kooperationen mit dem öffentlichen Sektor eingegangen zu sein. Bei den 25 befragten Vertretern von Behörden verneinten sogar knapp 70 Prozent, dass es bislang eine Zusammenarbeit gegeben hätte.

Die Relevanz des Sektors steigt jedoch – kein Wunder, vergeben Bund, Länder und Kommunen doch jedes Jahr Aufträge im Wert von etwa 250 Milliarden Euro, Drei Viertel der befragten Start-ups geben an, dass in Zukunft die öffentliche Hand eine sehr hohe oder hohe Relevanz als Kundengruppe gewinnen dürfte.

Mehr Tempo bei Entscheidungen

Damit die beiden Seiten zusammenfinden, wünschen sich Start-ups vor allem eins: Mehr Tempo bei Entscheidungen. Etwa 85 Prozent der Start-ups bemängeln die Dauer der Entscheidungsprozesse und Reaktionszeiten als größtes Hindernis. Auch die erforderlichen Dokumente und Referenzen, die die öffentliche Hand als Nachweis in Ausschreibungen fordert, stellen die Start-ups vor große Probleme.

Die Digitalunternehmen spüren laut der Umfrage „Mentalitätsunterschiede“ bei Gesprächen und Verhandlungen – bewerten umgekehrt bei erfolgten Kooperationen die Verbindlichkeit der Absprachen als positiv. Start-ups wünschen sich vor allem Netzwerkveranstaltungen und maßgeschneiderte Ausschreibungen, die sich an junge Unternehmen richten. „Um das zu erreichen, sollten Verwaltungen eigene Experimentierräume schaffen“, sagt Ferdinand Schuster, Geschäftsführer des Instituts für den öffentlichen Sektor. „Das können einzelne Bereiche sein, deren Arbeitsweise sich stärker an agilen Prozessen orientiert und die somit innovativer und schneller agieren und auch von Kooperationen mit Start-ups profitieren können.“