Die Summe der Gelder, die Start-ups einwerben können, steigt auf 4,6 Milliarden Euro. Eine Studie zeigt: Zweistellige Millionensummen fließen deutlich häufiger.

Mehr Kapital, mehr Deals: Die deutsche Start-up-Welt konnte laut einer Erhebung der Beratungsgesellschaft EY im Jahr 2018 so viel und so häufig Geld einsammeln wie nie zuvor. Auf insgesamt knapp 4,6 Milliarden Euro summierten sich laut des heute veröffentlichten Start-up-Barometers die Gelder, die junge Digitalunternehmen von Investoren, durch Börsengänge oder auch durch Kryptowährungen eingenommen haben. Im Vergleich zum Jahr 2017 stieg die Summe damit um sieben Prozent.

Die Zahl der registrierten Runden stieg sogar um 21 Prozent auf 615. Beide Werte können jedoch keinen Anspruch auf Absolutheit erheben: Nicht alle Finanzierungsrunden werden veröffentlicht, häufig geben Start-ups auch nur ungefähre Größenordnungen eines Investments bekannt. Zudem können natürlich außergewöhnlich hohe Finanzierungen die Statistik verzerren – im vergangenen Jahr stachen laut EY-Erhebung vor allem die 460 Millionen Euro Euro für Auto1 hervor.

Dennoch lassen sich aus den jetzt veröffentlichten Zahlen (hier geht es zum PDF der Studie) auch einige Trends ableiten. Besonders erfreulich für deutsche Start-ups: Die Zahl der Investitionen zwischen zehn und 50 Millionen Euro erhöhte sich deutlich. Gab es im Jahr 2017 insgesamt 54 Mal eine Finanzierungsrunde in entsprechender Höhe, zählten die Berater im Jahr 2018 bereits 80 solcher Runden.

Berlin bleibt unangefochten an der Spitze

In den Vorjahren wurde noch häufiger in der Start-up-Szene bemängelt, dass in Deutschland zu wenig Kapital für solche Investitionen bereit steht. Zweistellige Millionenbeträge fließen in der Regel an Start-ups, die ihr Geschäftsmodell bereits erfolgreich erprobt und bewiesen haben – dann jedoch größere Summen für den Sprung ins Ausland oder eine breite Markbearbeitung benötigen. „Wenn Investoren bereit sind, so tief in die Tasche zu greifen, zeugt das von Vertrauen in das Geschäftsmodell und die jungen Unternehmer“, sagt Peter Lennartz, Partner bei EY.

Neugierig betrachten viele Beobachter der Start-up-Welt auch die regionale Verteilung der Investitionen. Im Oktober hatte der Monitor des Bundesverbands Deutscher Startups für Aufmerksamkeit gesorgt, weil mehr NRW-Start-ups ihre Stimme abgaben als junge Firmen aus Berlin.

Wenn es um das investierte Geld geht, scheint der Thron der Hauptstadt jedoch nicht zu wackeln: Sowohl bei der Zahl als auch beim Volumen liegt Berlin weit vorne – mit 2,6 Milliarden Euro floss deutlich mehr als die Hälfte des investierten Geldes an dort ansässige Start-ups. Insbesondere Bayern und NRW haben bei den Finanzierungsrunden laut der EY-Erhebung jedoch deutlich zugelegt.