Einige Deutsche gründen lieber im Ausland. Rainer Kunst wollte über Landesgrenzen hinaus expandieren – und ging nach New York.

Von Svenja Bebenek und Martin Seiwert

Irgendwann war Rainer Kunst Deutschland nicht mehr genug. Der Geschäftsführer der Düsseldorfer Kommunikationsagentur Kunst und Kollegen, deren Umsatz seit sechs Jahren zweistellig wächst, wollte über die Landesgrenzen hinaus expandieren. Die Wahl fiel 2013 auf die Welthauptstadt des Marketing und der Kommunikation: New York. Im November eröffnete Kunst im trendigen Stadtteil Williamsburg (Brooklyn) seine US-Dependance. „140 Leute kamen zur Eröffnung in eine gemietet Galerie, gefeiert wurde mit Düsseldorfer Altbier und Schwarzbrot-Schnittchen“, erzählt Kunst. Geschäftspartner Daniel Meister, der bereits seit 2009 in New York lebt, ist seither der Chef von Kunst und Kollegen New York, kurz: KuK NYC.

Zu den Kunst und Kollegen-Kunden gehören unter anderem der Ergo Versicherungskonzern, Weight Watchers, Schwarzkopf, Henkel und der Flughafen Düsseldorf. Die Agentur will die Kunden, die sowohl im deutschen als auch im amerikanischen Markt präsent sind, mit der neuen Niederlassung in New York optimalen Service bieten. Dafür bezahlt Rainer Kunst einen hohen Preis: Momentan pendelt er mit seiner Frau und seinen beiden kleinen Töchtern ständig zwischen New York und Düsseldorf. „Man muss vor Ort sein und ein Netzwerk aufbauen“, sagt er, „hier wartet ja keiner auf einen“. Kunst rechnet mit zwei bis drei Jahren Aufbauarbeit für die neue Agentur: „Man braucht einen langen Atem.“