Das Start-up Packlink will den Paketversand vereinfachen – und siedelte sich bewusst im hessischen Neu-Isenburg an.

Von Jule Zentek

Mal angenommen, Sie müssen dringend ein Geschenk verschicken – bei welchem Anbieter geht das am schnellsten? Natürlich könnten Sie sich bei jedem einzelnen persönlich erkundigen. Aber da muss es doch eine einfachere, schnellere Möglichkeit geben, dachten sich Ben Askew und Javier Bravo.

Deshalb gründeten sie im Jahr 2012 in Spanien das Start-up Packlink – eine Vergleichs- und Buchungsplattform. Die Idee: Der Paketversand sollte einfach und transparent werden. Daher will Packlink Versandpreise verschiedener Anbieter vergleichbar machen, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Dann muss der Kunde nicht zum Versandservice gehen, sondern kann online erfragen, wie viel ein Paket nach Russland oder in die Schweiz kostet.

Durch den Preisvergleich sparen Nutzer bei nationalen Sendungen bis zu 50 Prozent, international sogar bis zu 70 Prozent. Denn sie können das günstigste Angebot oder den Dienstleister mit dem schnellsten Versand wählen. Sogar die Uhrzeit der Abholung durch den Paketdienst lässt sich festlegen. Und auch die Abrechnung läuft über die Website.

Bereits im ersten Jahr verzeichnete das Unternehmen ein Wachstum von 100 Prozent monatlich. „Die Investoren sind schnell aufmerksam geworden und investierten insgesamt 25 Millionen Dollar“, sagt Adrián Amorin, Marketing-Manager bei Packlink. Das sei für das Unternehmen Anreiz genug gewesen, um sich zu expandieren: So kam Packlink 2013 nach Deutschland.

Dort siedelte sich das Unternehmen im hessischen Neu-Isenburg an. Kein Zufall: „Viele Versanddienste und einige unserer Partner haben hier ihren Standort“, sagt Amorin. Madrid als Gründungsort ist weiterhin Hauptsitz des Unternehmens. Nach der Niederlassung in Deutschland folgten Expansionen nach Frankreich und Italien. So wuchs der Umsatz. 2014 lag er noch bei sieben Millionen Euro, 2015 waren es bereits 13 Millionen.

Seit diesem Jahr gibt es Packlink Pro, damit will die Firma vor allem Kleinstanbieter und Start-ups ansprechen. Denn die können aufgrund des kleinen Sendevolumens keine guten Konditionen mit Versanddienstleistern aushandeln. „Viele wollen daher keine Verträge mit einem Anbieter eingehen, um flexibel zu bleiben“, erklärt Amorin. Mittlerweile können Kunden Packlink schon in ihren Online-Shops auf Ebay, Amazon oder der eigenen Website nutzen.

Derzeit kooperiert die Firma bereits mit mehr als 300 Versanddienstleistern, über eine Million Sendungen wurden so in etwa 100 Länder ausgeliefert. Allein in diesem Jahr erwartet Packlink, vier Millionen Pakete zu versenden. Tendenz steigend.

Die nächste Herausforderung wird die Lieferung am selben Tag. „Zurzeit steigt die Nachfrage nach Same Day Delivery“, sagt Amorin. Daher entwickle sich die Firma gerade in diesem Bereich weiter, um schon bald ein gutes Leistungsangebot liefern zu können.

Das dürfte den ohnehin schon komplexen Logistikprozess nicht gerade vereinfachen – was sich auch in der Belegschaftsstruktur niederschlägt: Rund 80 Prozent der 120 Mitarbeiter sind im IT-Bereich beschäftigt.