Auch deutsche Investoren wollen vom chinesischen Wachstum profitieren. Einer von ihnen ist Sebastian Kübler. „Kaum ein Markt entwickelt sich schneller als der chinesische“, sagt Kübler, der in den vergangenen sechs Jahren in rund 30 Start-ups in China investiert hat – darunter Kondommarken, Windelhersteller und Möbelfirmen. Wie in anderen Ländern auch, gelte es, Ideen genau zu prüfen. „Wer mitspielen will, muss wissen, was die Chinesen wollen“, sagt Kübler.

Mobilität und Konsum – das sind zwei wichtige Trends, die Gründer nutzen wollen. Laut einer Studie des Investment-Fonds SparkLabs Global hatten sich mehr als die Hälfte der im Jahr 2012 gegründeten Start-ups auf E-Commerce und das mobile Internet spezialisiert Die Konkurrenz ist hart. „Für Ausländer ist es besonders schwer, diesen traditionell von Chinesen dominierten Markt zu erobern“, sagt Kübler. Wer trotzdem in diesen Branchen gründen wolle, müsse nicht nur den Kunden einen Mehrwert bieten, sondern heimischen Investoren zeigen, warum es sich lohnt, in einen Ausländer zu investieren.

„Vor allem Dienstleister haben es leichter“

Die Bestrebungen der Stadtregierung zur Ansiedlung von Gründern gehen allerdings noch weit über die die Wirtschaftszonen und Gründerviertel hinaus. Eine neue Freihandelszone, die vor einem Jahr eröffnet wurde, soll noch mehr ausländische Unternehmen anlocken und den Marktzugang deutlich erleichtern. „Shanghai will mit diesem Projekt Vorreiter für ganz China werden“, sagt Rainer Burkardt, Rechtsanwalt und Leiter der vor Ort ansässigen Kanzlei Burkardt & Partner. „Vor allem Dienstleister haben es hier in Zukunft leichter.“

Seit 17 Jahren berät Burkhardt deutsche Unternehmer, die sich in China niederlassen wollen. Vor elf Jahren hat er sich mit seiner eigenen Kanzlei selbstständig gemacht. „Die Freihandelszone ist ein klarer Paradigmenwechsel: Shanghai will weg von der einfachen Produktion und hin zu mehr Dienstleistungen“, sagt Burkardt. Und dabei sollen auch tatkräftige Unternehmer aus dem Ausland helfen.

Dank der neuen Freihandelszone sei es für Rechtsanwälte, Berater, Finanzdienstleister, aber auch für Reisebüros oder Künstleragenturen einfacher geworden, in Shanghai zu starten. Mehr als 50 Regeln und Restriktionen, die Gründer behinderten, wurden nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI) seit der Einführung der Freihandelszone letztes Jahr gestrichen. So benötigen Personalberater und -vermittler beispielsweise nur noch 125.000 US-Dollar Mindestkapital, um eine Agentur zu gründen. Außerhalb der Zone gilt weiterhin ein Mindestkapital von 300.000 US-Dollar. Kleinere Unternehmen einiger anderer Branchen, die laut Stadtregierung als „permitted“, also genehmigt gelten, müssen inzwischen sogar gar kein Mindestkapital mehr vorweisen.

Geldbeschaffung ist „eine echte Herausforderung“

Trotz der vereinfachten Regeln haben ausländische Gründer in Shanghai mit Hürden zu kämpfen, die in der Heimat deutlich niedriger wären. „Die Geldbeschaffung ist eine echte Herausforderung“, sagt Brigitte Wolff, Unternehmensberaterin bei PricewaterhouseCoopers (PwC) und Vorstandsmitglied der Deutschen Außenhandelskammer. Seit 15 Jahren lebt sie in China und hat in Shanghai ein eigenes Unternehmen mit zwei deutschen Partnern gegründet: die Beratungsfirma Abacus, die nach mehrere Fusionen inzwischen zu PwC gehört. „Hätten wir nicht genügend Ersparnisse gehabt, wären wir gescheitert“, sagt die 54-Jährige rückblickend. In ganz China seien private Investoren sehr zögerlich, wenn es um die Finanzierung von Start-ups gehe. Wagniskapital in der Anfangsphase? Unmöglich. „Noch nicht einmal die Bank leiht einem hier Geld“, sagt Wolff.