Die Deutschen lieben ihre Haustiere, insbesondere den Hund. Kein Wunder, dass der Markt für Produkte jeglicher Art stetig wächst. Das haben auch Start-ups erkannt.

Von Constance Ehrhardt

31 Millionen – so viele Haustiere hatten die Deutschen im vergangenen Jahr, davon alleine 7,4 Millionen Hunde, die einen Besitzer gefunden haben. Das Geschäft mit den Hunden boomt und die Deutschen geben so viel für Tiere aus wie nie zuvor. Der Markt umfasst ein Gesamtvolumen von knapp vier Millionen Euro. Hundeschulen, Züchtervereine, Bestattungen: Haustiere sind längst eine relevante der Größe der Volkswirtschaft geworden: „Wir haben hier einen sehr großen Markt, der wächst – ob nun im Bereich Tiergesundheit, Ernährung oder Beschäftigung“, sagt Alexander Nicolai, Inhaber der Stiftungsprofessur Entrepreneurship an der Universität Oldenburg.  „Es findet eine ähnliche Evolution wie bei Produkten für den Menschen statt, der nun nicht mehr nur auf das eigene Wohlbefinden aus ist. Die Vermenschlichung der Haustiere verlangt nach hochwertigen, individualisierten Produkten für den geliebten Vierbeiner.“

Die Rolle der Haustiere hat sich dahingehend verändert, dass sie wie Familienmitglieder, Partner oder Kinder behandelt werden. Sie sind uns lieb und teuer. Zu den Ausgaben gehören ein eigenes Bett, besonderes Futter, Spielzeuge, teure Kurse, regelmäßige Tierarztbesuche und therapeutische Maßnahmen. Individualität und hohe Qualität liegen dabei besonders im Trend – das haben auch Start-ups, wie TopDogs Media entdeckt.

Ist der Hund nämlich einmal im Haus, möchte er auch beschäftigt werden. Das Unternehmen hat dafür im Januar 2015 die kostenlose App MyDog365 entwickelt, die dem Hund und seinem Herrchen Aufgaben stellen. Die Tiere sollen dabei neben den Kommandos „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ auch „Rückwärts einparken“ lernen. Ist diese erfüllt, erhält der Nutzer Punkte, die er sammeln und später einsetzen kann, um höhere Level und Workshops freizuschalten.

Neben der schriftlichen Aufgabenstellung kann sich der Halter ein Beispielvideo anschauen. Die Agenturhunde Woody und Kalle sind für die Prüfung der Machbarkeit der jeweiligen Aufgaben zuständig sowie als Model vor der Kamera tätig. Obwohl noch in der Startphase hat die App bereits 6.000 Nutzer und es kommen täglich zirka 150 hinzu. „Unsere Medienagentur ist zwar auf Kunden aus dem Heimtierbereich spezialisiert und wir kennen auch die zwei großen weltweiten Trends hin zu Premiumisation und Humanization, aber mit einer derart überwältigenden Resonanz haben wir nicht gerechnet“, berichtet Gründer Eike Adler.

„Die Größe und die Dynamik des Marktes machen ihn sehr attraktiv für Start-ups“, sagt auch Experte Nicolai. „Allerdings ist er zugleich unübersichtlich und mit starkem Wettbewerb verbunden. Um ein Start-up in diesem Bereich erfolgreich an den Markt zu bringen, muss man sich daher im Vorfeld sicher sein, dass man über einen echten Wettbewerbsvorteil verfügt“, gibt er zu bedenken.