Das Start-up Tradity will die wirtschaftliche und digitale Bildung von Schülern verbessern.

Von Tobias Bayer

In deutschen Schulen wird gelehrt, wie man Gedichtanalysen verfasst und was es mit Integralrechnung auf sich hat. Wirtschaftliche und digitale Themen sucht man dagegen vielerorts vergebens.

Gestört hat das auch drei Schüler aus dem schleswig-holsteinischen Niebüll. Noah Leonavicius (21), Ba Khai Tran (22) und Moritz Funk (21) nahmen 2013 die Sache selbst in die Hand – und gründeten ihr eigenes Start-up: Das Börsenspiel Tradity.

Die Nutzer können es auf der Homepage oder auf dem Smartphone spielen. Es unterscheidet sich in entscheidenden Punkten von konkurrierenden Börsenspielen. Tradity kann von Einzelpersonen ebenso genutzt werden wie von dem Klassenverband, für den es ursprünglich konzipiert wurde.

Da ein vermeintlich trockenes und langweiliges Thema spielerisch erklärt wird, hat das Start-up den Slogan „Gamifying Education“ gewählt. In dem „Das Börsenspiel 2.0“ soll neben Bildung auch das Gemeinschaftsgefühl nicht zu kurz kommen. Der Name „Tradity“, der sich aus „trading“ und „community“ zusammensetzt, verdeutlicht diese Vorhaben. Trotz des Miteinanders ist Tradity aber auch ein Wettbewerb, bei dem es für die besten Teilnehmer Preise zu gewinnen gibt.

Funk und seine Mitgründer zahlen sich kein Gehalt aus. „Wir verfolgen den Weg eines Social-Business und sehen das Heranführen von jungen Leuten an das Thema als oberstes Ziel“, sagt Funk. Daher bleibt das gesamte Geld im Unternehmen und wird für Weiterentwicklungen und Teilnehmerpreise eingesetzt.

Das Geld alleine würde allerdings nicht ausreichen. Das Start-up hat viele Kooperationspartner. Darunter unter anderem die Frankfurter Börse, die Tradity mit Daten versorgt, und die WHU – Otto Beisheim School of Management, die das Gründer-Trio mit Räumlichkeiten und einem wertvollen Netzwerk unterstützt. Dort studieren die Norddeutschen mittlerweile auch.

Einige der Mitstudierenden zählen neben Schülern und Freiwilligen aus ganz Deutschland auch zum 25-köpfigen Team des Start-ups. „Tradity ist von jungen Leuten für junge Leute“, betont Funk. Er ist stolz, schon viele Jugendliche für die Wirtschafts- und Finanzwelt begeistert zu haben: „In wirtschaftlicher und digitaler Bildung stehen wir in Deutschland sehr weit hinten.“

Auf dem Weg dorthin hat das Start-up für sein Börsenspiel schon heute 11.000 Teilnehmende an 200 Schulen gefunden. Der Großteil kommt aus Norddeutschland, in Schleswig-Holstein ist fast jedes zweite Gymnasium dabei. Für die Zukunft will man an Lehrorten im süddeutschen Raum stärker vertreten sein. Auch dafür will das Social-Business das Angebot in den nächsten Jahren weiter ausbauen und den Lerneffekt verbessern. Dann wird sich zeigen, ob das Start-up Tradity tatsächlich digitale und wirtschaftliche Bildung an Schulen etabliert.