Durch Start-ups könnten im kommenden Jahr 50.000 neue Arbeitsplätze entstehen, prognostiziert der „Start-up Monitor 2015“. Doch nicht alle Zahlen sind so positiv.

Berlin. Die Start-ups in Deutschland wollen im nächsten Jahr knapp 50.000 neue Stellen schaffen. In den kommenden zwölf Monaten plant ein Unternehmen im Mittel mit acht neuen Mitarbeitern. In Berlin wollen die Start-ups durchschnittlich sogar zwölf neue Jobs kreieren. Das geht aus dem „Deutschen Start-up Monitor 2015“ hervor, der am Dienstag vorgestellt wurde.

„Wir gehen davon aus, dass das noch eine konservative Rechnung ist“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Start-ups, der die Studie mitinitiiert hat. Mit den Antworten von rund 1000 Start-ups repräsentiert die Untersuchung etwa ein Sechstel der jungen Unternehmen in Deutschland.

Gründer sind glücklicher

Allerdings gibt der „Start-up Monitor“ lediglich den Bruttowert an und rechnet in das Plus nicht die Stellen mit ein, die etwa durch Unternehmenspleiten wegfallen. Insgesamt könnte die Zahl der Arbeitsplätze also geringer ansteigen als in der Studie prognostiziert.

Trotzdem darf man Start-ups durchaus als Jobmotor bezeichnen – besonders in Berlin. Beschäftigen die jungen Unternehmen im Schnitt 17,6 Mitarbeiter, liegt die Zahl in der Hauptstadt bei sogar 27,7 Arbeitnehmern. Derzeit arbeiten nach Angaben von Nöll etwa 100.000 Menschen in der Start-up-Szene. Der „Start-up Monitor“ wird gemeinsam vom Bundesverband Deutscher Start-ups, der Hochschule für Recht und Wirtschaft sowie der Unternehmensberatung KPMG erstellt.

Die Untersuchung zeichnet nicht nur im Bereich Beschäftigung ein positives Stimmungsbild unter Gründern hierzulande. 89 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. 76 Prozent gehen von einer Verbesserung in den kommenden zwölf Monaten aus. Sven Ripsas verwundert dieses Ergebnis wenig: „Man muss Optimist sein, wenn man mit seinem Unternehmen Fuß fassen will“, sagte der Professor der Hochschule für Wirtschaft und Recht bei der Vorstellung der Daten in Berlin.

Die Studie zeigt auch: Wer einmal gründet, gründet häufig auch ein zweites Mal. Rund 45 Prozent der Befragten gaben an, zuvor bereits ein anderes Unternehmen aufgebaut zu haben. Obwohl jeder dritte Gründer sein vorheriges Start-up aufgeben musste, würden 80 Prozent der Befragten auch nach ihrem jetzigen Unternehmen noch einmal einen Neustart in der Selbstständigkeit wagen.

Vielleicht erklärt sich dieses Ergebnis in der Lebenszufriedenheit der Gründer: Diese liegt mit acht Punkten deutlich höher als bei einem Angestellten, der durchschnittlich nur auf 6,7 Punkte kommt. „Möglicherweise ist das trotz der Möglichkeit des Scheiterns ein Argument, weiterzumachen“, meint Nöll.

Nur 13 Prozent Gründerinnen

Allerdings präsentiert der „Stat-up Monitor“ auch erschreckende Zahlen: Mit 13 Prozent liegt die Zahl der Gründerinnen in Deutschland immer noch sehr niedrig. Zwar liegt der Anteil damit 2,3 Prozent höher als im Vorjahr. Doch auch Florian Nöll gibt zu, dass dieses Ergebnis „nicht zufriedenstellend“ sei.

Auch das Thema Finanzierung bleibt ein Problem in der deutschen Start-up-Szene. Obwohl die befragten Gründer mehr als eine Milliarde Euro an Venture Capital in den vergangenen 2,8 Jahren – dem Durchschnittsalter der Start-ups – eingesammelt haben, geben 45 Prozent die Finanzierung als eine ihrer größten Herausforderungen an. Der Anteil der Unternehmen, die Risikokapital erhielten, ging sogar von 21,4 auf 20 Prozent leicht zurück.

Trotzdem sei Deutschland „aus den Kinderschuhen“ raus, sagte Tim Dümichen, Partner bei der Unternehmensberatung KMPG, und verwies auf eine Untersuchung, nach der die Bundesrepublik England bei der Höhe des Risikokapitals überholt hat. Am meisten Risikokapital geht laut des „Start-up Monitor“ nach Berlin, wo ein Drittel des Geldes hinfließt.

Florian Nöll nutzte das Thema Finanzierung, um auf das kürzlich gestoppte Anti-Angel-Gesetz einzugehen. „Die öffentlichen Kapitalgeber können oft nur co-investieren, wenn auch private Investoren einsteigen“, so der Vorsitzende des Start-up-Verbands. Er betonte, dass mit der ursprünglich geplanten Steuerregelung, die in der Start-up-Szene viel Unmut auslöste, etwa 60 Prozent des Kapitals nicht mehr vorhanden gewesen wäre – das Geld von Business Angels und eben das Kapital öffentlicher Institutionen wie beispielsweise des High-Tech Gründerfonds.

Nöll knöpfte sich auch den im Januar eingeführten Mindestlohn für Praktikanten vor.  47,5 Prozent der Gründer haben die Einführung laut „Start-up Monitor“ negativ zu spüren bekommen. Zwei von drei Start-ups haben deshalb auch ihre Einstellungspolitik für Praktikanten geändert. 51 Prozent der Start-ups geben an, weniger oder gar keine Praktikanten mehr zu beschäftigen. Das schade nicht nur den Start-ups, sondern auch etablierten Unternehmen, betonte Nöll, weil damit Praxiserfahrungen wegfielen.

42 Prozent der Start-ups sehen Mindestlohn nicht negativ

Die Zahlen des „Start-up Monitors“ belegen jedoch auch, dass 42 Prozent der Start-ups keine negativen Einflüsse durch den Mindestlohn berichten. Das erwähnte der Vorsitzende des Bundesverbands in der Präsentation allerdings nicht.

Der „Start-up Monitor“ basiert auf den Antworten von rund 1000 Start-ups aus der gesamten Bundesrepublik und gilt als die größte Erhebung von innovativen sowie wachstumsorientierten Firmen hierzulande. Die Untersuchung bezieht sich bewusst nicht auf Selbstständige im Allgemeinen wie etwa der KfW-Gründungsmonitor.

Dass die Start-ups bis zu zehn Jahre alt sein dürfen – normalerweise gilt für den Begriff Start-up eine Altersgrenze von bis zu fünf Jahren –, begründet Ripsas so: „Die Venture-Capital-Forschung zeigt, dass sich der Erfolg eines Start-ups erst nach fünf bis sieben Jahren einstellt.“ Um auch erfolgreiche Start-ups zeigen zu können, habe man sich daher entschieden, über die Fünf-Jahres-Schwelle zu gehen.