Kapital für innovative Gründer ist in Deutschland knapp; Wagnisfinanzierer wie Earlybird räumen offen ein, sich vor allem auf die reiferen Startups zu konzentrieren. Wie aber kommen Gründer trotzdem an Geld? In der WirtschaftsWoche erscheint dazu am kommenden Montag (1.11.) ein längerer Artikel – über öffentliche Förderprogramme, die Suche nach passenden Business Angels, Verhandlungen mit Investoren.

Ein Beispiel, das darin vorkommt, ist das Berliner Startup Spendino. Die drei Gründer des Unternehmens – Florian Nöll, Sascha Schubert und Martin Müller – haben heute eine neue Finanzierungsrunde bekanntgegeben: Die IBB Beteiligungsgesellschaft und private Business Angels investieren eine sechsstellige Summe in das Startup, damit es wachsen kann.

Weiter wachsen – denn Spendino hat sich bereits etabliert als innovativer Fundraiser für gemeinnützige Organisationen. Das Startup ermöglicht es, Spenden per SMS und im Internet einzusammeln – etwa in Sozialen Netzwerken wie Facebook. Gerade jüngere Menschen könnten so von den Spendenaufrufen der Hilfsorganisationen besser erreicht werden und mit kleinen Spenden viel bewegen, sind die Gründer sicher. Spendino selbst verdient an jeder Spende mit.

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„Die Verhandlungen waren ein Knochenjob“

Florian Nöll, Sascha Schubert und Martin Müller haben Spendino gegründet und wollen mithilfe ihrer Kapitalgeber jetzt auch außerhalb Deutschlands wachsen (Foto: Spendino).

Nöll rät kapitalsuchenden Gründern…

  • sich Alternativen zu schaffen – das stärkt die eigene Verhandlungsposition,
  • sich Informationen über jeden potenziellen Geldgeber zu besorgen – zum Beispiel bei Gründern, die denjenigen kennen,
  • genau zu überlegen, wem man vertrauliche Informationen zuspielt und in welchen Netzwerken derjenige agiert,
  • in den Verhandlungen möglichst sachlich zu bleiben und positive wie negative Emotionen auszublenden,
  • mögliche Streitpunkte bereits in den Verhandlungen anzusprechen: „Worüber man sich in den Gesprächen einigt, kann man sich hinterher nicht mehr so leicht streiten“
  • nach Möglichkeit keine Deals mit Geldgebern abzuschließen, denen man nicht vertraut oder die über Gebühr unsympathisch erscheinen
  • „die Sektkorken erst knallen zu lassen, wenn die Unterschrift unter dem Beteiligungsvertrag trocken ist.“

Mit dieser Idee erreichte Spendino im Jahr 2008 das Finale des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs. Im Januar dieses Jahres bestand das Unternehmen eine wichtige Bewährungsprobe, als die Deutschen für die Erdbebenopfer in Haiti spendeten – viele von ihnen per SMS. Nach Angaben des Unternehmens haben Non-Profit-Organisationen in den vergangenen Monaten mehr als 70.000 Spenden mithilfe von Spendino erhalten.

Zugegeben, Spendino hat sich in den vergangenen Monaten rasant entwickelt und gehört mit seinen 13 Mitarbeitern inzwischen schon zu den reiferen Startups. Aber das Beispiel zeigt, wie man auch in schwierigen Zeiten Geldgeber findet – erst solche, die kleine Beträge investieren; dann jene, die auch ein größeres Investment stemmen können und den Weg ebnen zu institutionellen Investoren.

Das erste Geld erhielten die Gründer von „Family, Friends and Fools“ – Familie, Freunden und Verrückten. Dann brauchten die Gründer mehr Geld und suchten gezielt nach Business Angels.“In Deutschland gibt es zwar wenig Wagniskapital für junge Unternehmen“, sagt Spendino-Gründer Florian Nöll, „trotzdem sollte man nicht das erstbeste Angebot annehmen.“

Die drei wählten ihre Investoren sorgfältig aus, leisteten sich einen Anwalt „auch als wir noch keine Kohle hatten“ und verhandelten hart – „ein Knochenjob“, sagt Nöll. Die Bewertung ihres Unternehmens sei ihnen dabei weniger wichtig gewesen als bestimmte Eigenschaften der Investoren. „Gute Business Angels haben zwei Flügel: Geld und Expertise“, sagt Nöll. „Und wir wollten Kapitalgeber, die nicht nur  unseren Markt verstehen, sondern auch die nötige Ausdauer haben, bis sich unsere Technologie durchgesetzt hat.“ Schließlich dauere es eine Weile bis Organisationen, die seit Jahrzehnten mit Briefen um Spenden werben, ihr Fundraising auf SMS und Internet umgestellt hätten.

In zwei Finanzierungsrunden in den fanden Nöll und seine Mitgründer rund 20 Geldgeber, die sich mit „kleinen Tickets von um die 15.000 Euro“ an Spendino beteiligten. Jetzt investiert die Beteiligungsgesellschaft der Investitionsbank Berlin (IBB) einen sechsstelligen Betrag, der von den Business Angels in der selben Höhe und zu den gleichen Bedingungen kofinanziert wird. Mit dem Geld will Spendino expandieren „und die Markteinführung des Angebots in Nachbarländern vorantreiben“, so Gründer Sascha Schubert. So will Spendino beispielsweise in der Schweiz eine Tochtergesellschaft gründen.

Interessant: Den Kontakt zur IBB Beteiligungsgesellschaft knüpften die Spendino-Gründer schon vor zwei Jahren. Damals war das Startup allerdings noch eine Nummer zu klein für die IBB: „Unsere Fonds investieren in der Regel zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Euro“, sagt Rayk Reitenbach, Investment Manager bei der IBB Beteiligungsgesellschaft. Trotzdem sei es sinnvoll, schon früh den Kontakt zu institutionellen Investoren zu suchen, rät Reitenbach. „Wir haben Spendino beobachtet, uns immer wieder ausgetauscht und sind dann eingestiegen.“