Die Technologie des Hamburger Start-ups soll Unternehmen helfen, Kunden in Geschäften Zusatzinfos oder Rabatte auf dem Smartphone anzuzeigen.

Gibt es den Neuwagen im Showroom auch in anderen Konfigurationen? In welchen Größen sind die Schuhe aus dem Schaufenster verfügbar? Um Kunden im Geschäft per Smartphone-App mit passenden Zusatzinformationen zu versorgen, experimentieren Unternehmen mit sogenannten ortsbasierten Dienste. Die Herausforderung dabei: Angezeigt werden sollen möglichst nur Daten zu dem Produkt, vor dem der Kunde gerade steht.

Eine Technologie für die Ortung in geschlossenen Räumen bietet Sonobeacon an. Das 2013 gegründete Start-up nutzt akustische Ultraschall-Signale, die für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar sind – aber von Smartphone-Mikrofonen eingefangen werden. Passende Sender oder Lautsprecher können direkt in der Nähe der Produkte platziert werden. Gegenüber der Funktechnik Bluetooth soll die Audio-Ortung im Nahbereich präziser sein.

Das Versprechen hat nun Geldgeber hellhörig gemacht. Wie Sonobeacon mitteilt, investieren der auf Initiative des Landes Mecklenburg-Vorpommern gegründete Riskokapitalgeber Genius Venture Capital sowie Business Angels mehr als eine Millionen Euro. Das Start-up will die Finanzspritze nutzen, um Vertriebs- und Marketingaktivitäten hochzufahren.

Bode-Museum als Referenz

Dass die Technologie, die zusammen mit dem Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie entwickelt worden ist, grundsätzlich funktioniert, hat Sonobeacon bereits bewiesen. Unterstützt vom Softwareriesen SAP hat das Start-up etwa eine Ausstellung im Berliner Bode-Museum in Berlin mit den Audio-Sendern bestückt.

Geschäftsführer Thoralf Nehls sieht breite Anwendungsmöglichkeiten für die Technologie, darunter auch in der Gastronomie, auf Messen und in der Industrie. „Das größte Potenzial liegt aber mit Sicherheit im Handel“, sagte er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Vorerst nicht weiterverfolgen will der Unternehmer dagegen seine Ursprungsidee. Denn das als Radioscreen gegründete Start-up setzte zunächst darauf, Radiowerbung visuell zu verlängern. „Die Nachfrage war verhalten.“

Verbunden mit der neuen Finanzierung ist eine Verlegung des Firmensitzes nach Schwerin. Das Unternehmen erhoffe sich durch den Umzug auch einen besseren Zugang zu Fachkräften, so Nehls. Einschließlich des Gründertrios, zu dem neben Nehls Vertriebsleiter Peter Wackerbauer und Chefentwickler Michael Boldt gehören, besteht das Team derzeit aus acht festen und freien Mitarbeiter. Gesucht werden nun Mitarbeiter in der Administration sowie in der akustischen Elektronikentwicklung.