Nur noch kurz die Welt retten – das scheint auch für Gründer attraktiv zu sein. Bei Social Entrepreneurship geht  es um den Gewinn für die Gesellschaft.

Von Louisa Riepe

Safran aus Afghanistan, Olivenöl aus Palästina, Kaffee aus dem Jemen – das sind die Produkte, für die die Gründerherzen von Gernot Würtenberger und Salem El-Mogaddedi schlagen. In Krisengebieten, in die der normale Reisende keinen Fuß setzen würde, stöbern die beiden Berliner lokale Spezialitäten auf und verkaufen sie in Deutschland. Das Ziel: „Die Menschen hier über die Krisenregionen zu informieren und vor Ort im kleinen Rahmen die Wirtschaft voranzubringen“, sagt El-Mogaddedi.

Das erste Projekt des Start-ups Conflictfood entstand aus einer gemeinsamen Reise der beiden Gründer nach Afghanistan. „Mein Vater ist selbst Afghane und betreibt dort seit vielen Jahren ehrenamtlich humanitäre Hilfe“, sagt El-Mogaddedi. Im Oktober 2015 erzählte er den beiden von einer Safran-Farm in der Region Herat, rund 800 Kilometer westlich von Kabul. Das besondere an der Farm: „Sie wird betrieben von einem unabhängigen, selbstverwalteten Frauenkollektiv“, sagt El-Mogaddedi. Ins Leben gerufen durch eine deutsche Organisation, soll der Safrananbau den Bäuerinnen eine Alternative zum Mohnanbau geben. „Es war gerade Erntezeit und die Arbeit und die Geschichte der Frauen waren so beeindruckend, dass wir gesagt haben: Wir kaufen jetzt den Safran und verkaufen ihn in Europa.”

Deutsche Gründer denken sozial

Für diese Idee hängten der Architekt Würtenberger und der Eventmanager El-Mogaddedi ihre Jobs an den Nagel. Seitdem haben sie Verpackungen entworfen, einen Webshop aufgebaut sowie Informationen über Afghanistan und den Safrananbau gesammelt. Denn jeder Lieferung von Conflictfood liegt eine Zeitung bei, die den Kunden über die Herkunft der Produkte informiert. „Die Menschen hier lernen eine Seite kennen, die sie sonst mit Konfliktregionen nicht in Verbindung bringen. Afghanistan ist nicht nur Kriegsgebiet, sondern eben auch die Wiege des Safrananbaus“, sagt El-Mogaddedi.

Die Budgetplanung des jungen Unternehmens wird von den Preisen der Safran-Pflückerinnen bestimmt. „Wir wollen nicht zu Dumpingpreisen einkaufen und uns selbst die Taschen füllen“, sagt der Gründer. Bewusst spricht er deshalb auch nicht von Entwicklungshilfe, sondern von einer Handelsbeziehung auf Augenhöhe.

Mit ihrem sozialen Ansatz sind Würtenberger und El-Mogaddedi unter den deutschen Gründern nicht allein. Matthias Scheffelmeier kennt viele solcher Beispiele. Als Geschäftsleiter des Gründer-Netzwerks Ashoka versucht er regelmäßig, jungen Social Entrepreneurs den Weg zu ebnen. Unter dem Begriff versteht er „kreative Gründer, die ein gesellschaftliches Problem auf wirtschaftliche Weise lösen wollen, die eine soziale Mission mit den Mitteln des Unternehmertums verfolgen“ Ashoka fördert 65 solcher Start-ups in Deutschland als sogenannte Fellows. Ihre Ideen haben das Potential, die Gesellschaft systematisch zu verändern, sagt Scheffelmeier: „Wir suchen die iPhones des sozialen Sektors.“

Sozial und trotzdem angesagt

Gründe, ein soziales Unternehmen auf die Beine zu stellen, gibt es aus Scheffelmeiers Sicht viele: „Wir treten so langsam in das Zeitalter ein, in dem Menschen nach Sinn suchen und auch eine Karriere mit Sinn finden wollen.“

Einen Widerspruch zwischen Wirtschaftlichkeit und dem sozialen Anspruch sieht er nicht. Aus Scheffelmeiers Sicht können sogar gemeinnützige Vereine Social Entrepreneurs sein: „Die haben zum Teil ein genau so professionelles Marketing, bezahlen ihre Mitarbeiter zu marktüblichen Preisen und müssen Einnahmen und Ausgaben in Einklang bringen. Der Unterschied besteht nur darin, ob sie sich über Spenden oder über ein Einkommen finanzieren.“ Ein gutes Beispiel für ein soziales Unternehmen ist für ihn das Start-up Soulbottles: „Die arbeiten eins zu eins wie jedes andere hippe Berliner Start-up, aber sie sind primär durch ihre soziale Wirkung angetrieben.“