Sozialer Mehrwert und wirtschaftlicher Erfolg? Julian Müller-Schwefe ist einer der Social Entrepreneure und fordert mehr Mut von deutschen Gründern.

Julian Müller-Schwefe studierte unter anderem in London und forschte zum Thema Social Investment, bevor er bei der Unternehmensberatung Boston Consulting in Berlin anheuerte. Als Gründer und Geschäftsführer von On Purpose Berlin führt er nun selbst ein Social Enterprise, das angetreten ist, um Führungskräfte für den Social-Enterprise-Sektor auszubilden. Dazu gehört ein einjähriges Leadership-Programm, das Arbeitserfahrung, umfangreiches Training und wichtige Netzwerke im Social-Enterprise-Bereich vermitteln soll. Nach London und Paris ist Berlin seit diesem Jahr der dritte Standort der Organisation.

WirtschaftsWoche Gründer: Was bedeutet für Sie Social Entrepreneurship?
Julian Müller-Schwefe: Das Ziel von Social Entrepreneurship ist zunächst einmal einen sozialen oder ökologischen Mehrwert zu schaffen und die Mittel, derer man sich dafür bedient, sind in erster Linie unternehmerisch. Sprich das Projekt sieht von außen zwar eher wie ein Unternehmen aus, der Hauptzweck ist allerdings nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Schaffung von sozialem oder ökologischem Mehrwert.

Wer entscheidet sich für so eine Unternehmensgründung?
Man muss an dieser Stelle aufpassen, dass man die Definition vom Social Entrepreneur nicht zu eng fasst. Man sollte also nicht nur die jungen, kleinen hippen Start-ups dazu zählen, denn es gibt viel mehr Menschen, die vielleicht selber diese Bezeichnung für sich nicht wählen würden, die aber unter diese ganz grobe Definition fallen. Deshalb glaube ich auch, dass es einen großen Blumenstrauß an Menschen gibt, die als Social Entrepreneure bezeichnet werden können. In unseren Breitengraden sind es häufig Menschen, die ein Problem entdecken, das sie gerne lösen möchten – ähnlich wie ein klassischer Unternehmer. Dieses Problem ist aber ein gesellschaftliches und an dessen Lösung möchten sie trotzdem unternehmerisch herangehen. Das heißt, sie wollen nicht auf andere angewiesen sein – etwa auf Spenden oder staatliche Mittel – sondern selber aktiv werden und bedienen sich deshalb der unternehmerischen Mittel.

Eine Idee wirtschaftlich zu machen funktioniert aber ja nicht immer – daran scheitern ja schon viele „klassische“ Start-ups. Wie kann man entsprechende soziale Konzepte denn unternehmerisch tatsächlich umsetzen?  
Richtig. Sicher können nicht alle Konzepte wirtschaftlich erfolgreich sein. Ganz wichtig: Social Entrepreneurship soll keine Stiftungen oder Wohlfahrtsorganisationen ersetzen. Solche Einrichtungen sind alle richtig und wichtig. Sie haben sich schließlich über Jahrhunderte entwickelt. Social Entrepreneurship kann aber ein weiterer interessanter Baustein sein, den es mehr noch zu nutzen gilt. Es gibt einige Thematiken, die sich damit sicher nicht lösen lassen, da man nichts verkaufen, kein Geschäftsmodell dahinter legen kann, aber es gibt eben auch einige, bei denen man das sehr gut kann und ich glaube, da kann Social Entrepreneurship eine wichtige Rolle spielen.