Aufgeschmissen ohne externe Tools: Junge Unternehmen setzen voll auf Programme von Drittanbietern. Die erhöhen das Tempo – aber auch die Abhängigkeit.

Viel schneller, viel günstiger: Die Start-up-Szene setzt große Stücke auf den Einsatz von fremder Softwareprogrammen und IT-Infrastruktur. Eine aktuelle Befragung zeigt, dass 90 Prozent der Teilnehmer überzeugt sind, dass das Gründen eines Start-ups durch Tools von Drittanbietern in den letzten fünf Jahren deutlich einfacher geworden ist. 80 Prozent der Befragten geben an, dass diese Programme das Gründen günstiger gemacht haben.

„Nie war es leichter als heute, ein Start-up zu gründen. Unsere Umfrage zeigt eindrucksvoll, welche Rolle neue Technologien und Tools für Innovation und Wirtschaftswachstum in Deutschland spielen“, sagt Felix Huber, verantwortlich für Nordeuropa beim Zahlungsdienstleister Stripe, der die Studie in Auftrag gegeben hat. Für die Erkenntnisse wurden 227 Mitarbeiter von Start-ups sowie Entwicklerinnen und Entwickler befragt. Stripe arbeitete für die Erhebung zusammen mit den Partnern Factory Berlin, The Family, Paua Ventures, Techstars und Builders Network.

Start-ups schätzen an den verfügbaren Werkzeugen vor allem eine erhöhte Produktivität, reduzierte Kosten und die Möglichkeit, von überall an Produkten oder Dienstleistungen zu arbeiten. „Innovative Dienste werden auch in Zukunft ein entscheidender Faktor dafür sein, noch mehr Menschen dazu zu ermutigen, ihre Geschäftsmodelle auf die Straße zu bringen“, sagt Udo Schloemer, CEO und Gründer der Factory Berlin.

Überall im Einsatz, überall ein wenig abhängig

Der Einsatz der Tools, die in aller Regel selbst als Software-as-a-Service aus der Cloud abonniert werden, zieht sich quer durch alle Unternehmensbereiche. Die meisten Start-ups haben mehr als fünf solcher Dienste im Einsatz.  Für die Kommunikation und Zusammenarbeit wurden am häufigsten Slack und Trello genannt. Bei Hosting und Datenspeicherung setzen die Start-ups überwiegend auf Amazon Web Services und die Google Cloud Platform. Die Beziehung zu den Kunden wird häufig über Salesforce, Hubspot oder Pipedrive gemanaget, für die Auswertung setzen die jungen Unternehmen oft auf Google Analytics und Tableau. Wenn es um die Bezahlung geht, helfen laut der Nennungen Dienste wie Paypal oder der Studiensponsor Stripe.

Der flächendecke Einsatz der Programme macht viele Geschäftsmodelle erst schnell und skalierbar. Umgekehrt führt das zu einer gewissen Abhängigkeit der Start-ups. Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihr Unternehmen in der derzeitigen Form nicht existieren könnte, wenn keine Software-Tools von Drittanbietern zur Verfügung hätten. Dass das auch für große Digitalunternehmen zu einem relevanten Risiko werden kann, hatten im März temporäre Ausfälle der Amazon-Cloud-Landschaft gezeigt. Netflix, Airbnb, aber auch Slack selbst waren durch einen Programmierfehler für einige Zeit offline.