Seit dem 1. Januar 2016 ist das neue E-Health-Gesetz in Kraft. Es soll der Digitalisierung im Gesundheitssystem auf die Sprünge helfen.

Von Louisa Riepe

Kohlehydrate zählen, die eigene körperliche Belastung abschätzen, entsprechend viel Insulin spritzen und alle Werte regelmäßig in ein kleines Büchlein eintragen – das ist Alltag für viele Diabetespatienten. Denn „Diabetes ist eine Daten-Optimierungskrankheit“, für eine erfolgreiche Therapie will sie aktiv „gemanagt“ werden. So beschreibt es Frank Westermann, der als Diabetiker selbst jahrelang über seine Krankheit Buch führte – bis er 2012 die App MySugr erfand.

„Ich war einfach unzufrieden mit meiner Therapie und wusste nicht, was ich verbessern konnte“, erinnert sich der Gründer heute, gut vier Jahre später. Diabetes Patienten wie Westermann haben zu wenig oder gar kein körpereigenes Insulin. Das Hormon ist dafür zuständig, die Körperzellen mit Zucker zu versorgen. Fehlt Insulin, steigt der Zuckerspiegel im Blut, gleichzeitig werden die Muskelzellen nicht richtig versorgt. Diabetiker müssen deshalb stark auf ihre Ernährung achten und ihren Körper über Spritzen mit Insulin versorgen.

Problem: Gesetzeslage in Deutschland

„Ein Diabetiker trifft etwa 50 krankheitsbezogene Entscheidungen pro Tag“, sagt Frank Westermann. „Allein schon, wie ich meinen Weg zur Arbeit gestalte, hat Einfluss auf das Spritzen.“ MySugr macht es Patienten leichter, alle krankheitsbezogenen Daten zu sammeln. Die Smartphone-App funktioniert wie ein Tagebuch: Diabetes Patienten können genau erfassen, wann sie was essen und wie sie sich dabei fühlen. Ein Schrittzähler erkennt automatisch, wie sich der Nutzer über den Tag hinweg bewegt. Aus diesen Daten berechnet die App die nötige Insulinmenge und macht Vorschläge, um die Therapie zu verbessern. „Man sieht sehr leicht, wie sich der Insulinspeigel wann entwickelt“, so Westermann.

Um die App noch besser an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen, arbeitet Westermann mit seinem Team daran, die gesammelten Daten auch für Ärzte zur Verfügung zu stellen. „Im Moment können die Daten vor dem Arztbesuch vom Patienten ausgedruckt werden, aber das geht wesentlich eleganter“, so Westermann. „Theoretisch könnten wir dem Arzt einen sicheren Live-Zugriff auf alle Daten seines Patienten geben.“ Was den Gründer bremst, ist die Gesetzeslage in Deutschland.