Die niederländische App will die Kommunikation im Gesundheitswesen absichern. Der deutsche Markt steht dabei im Fokus. Investoren stützen jetzt diesen Kurs.

Chatten in der Charité – und bald auch in anderen deutschen Krankenhäusern: Darauf hoffen die Macher der niederländischen Messenger-App Siilo. Sie richten sich mit ihrem Kommunikations-Werkzeug besonders an die Gesundheitsbranche. Für die weitere Expansion, bei der besonders Deutschland und Großbritannien im Fokus stehen soll, hat das 2016 gegründete Start-up jetzt eine Finanzierungsrunde über 4,5 Millionen Euro abgeschlossen.

Angeführt wurde die Finanzierung vom schwedischen Risikokapitalgeber EQT Ventures, der auch in Deutschland bereits breit in verschiedenen Start-ups investiert ist. Nach eigenen Angaben hat Siilo aktuell bereits 100.000 Nutzer, unter anderem eben am Berliner Universitätsklinikum. Die App ist für die Nutzer erst einmal kostenlos, Geld verdienen die Niederländer mit der Einrichtung und Verwaltung von ganzen Klinik-Kunden.

Das Start-up positioniert sich dabei an der Schnittstelle zweier Trends: Zum einen werden Investoren zunehmend mutiger, auch in junge Unternehmen aus der Gesundheitsbranche zu investieren. Hier bieten Automatisierung und Digitalisierung häufig hohe Einsparpotenziale – auf der anderen Seite ist der Markt in vielen Ländern besonders streng reguliert, um die Sicherheit von Patienten zu schützen.

Wettkampf der WhatsApp-Alternativen

Zum anderen positioniert sich Siilo als Messenger auf dem breten Markt der Programme, die die Kommunikation im Arbeitsalltag verbessern wollen. Solche Kollaborations-Tools werden von immer mehr Firmen eingesetzt – die Konkurrenz der Anbieter, die sich meist nicht nur für eine Branche positionieren, ist dadurch aber sehr hoch. Und spätestens seit der Aufregung um die Datenschutz-Grundverordnung im Frühjahr haben die meisten Softwareanbieter das Thema auf dem Schirm.

Hier wirbt Siilo jedoch mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen und Anonymisierungstools: So müssen Mediziner beim Öffnen der App etwa einen Zahlencode eingeben. Zudem sind Werkzeuge eingebaut, um Gesichter oder Tattoos auf Bildern leicht zu anonymisieren – und so den Schutz des Patienten leichter zu gewährleisten. „Das Gesundheitswesen leidet schon lange unter vorsintflutlichen Technologien”, sagt die verantwortliche Investmentmanagerin Ashley Lundström von EQT Ventures.

Die Informationen werden außerdem getrennt: Informationen des Nutzers werden auf den benutzten Geräten hinterlegt, die ausgetauschten Daten über Patienten an einem speziell geschützten Speicherort – und nach 30 Tagen gelöscht, wenn der Nutzer dem nicht widerspricht.