Das Kapital folgt den Köpfen: Berlin ist längst nicht mehr ein Start-up-Hub ohne Kapital-Infrastruktur, meint Point Nine. Warum die Hauptstadt für die Seed-Finanzierung taugt.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat schreiben Pawel Chudzinski, Christoph Janz und Nicolas Wittenborn vom Wagniskapitalgeber Point Nine Capital, was Investoren bewegt. Point Nine hat unter anderem in Mister Spex, Kreditech oder Helpling investiert. Heute erklärt Pawel Chudzinski, warum Start-ups nach aller Welt für Finanzierungsrunden nach Berlin kommen sollen.

Berlin ist ein großartiger Start-up-Hub für europäische Tech-Gründer. Das bewahrheitet sich schon seit längerem, auch, wenn immer noch vergleichsweise wenig Venture Capital von Geldgebern kommt, die auch selbst in der Hauptstadt ansässig sind. Das gilt besonders im Vergleich mit anderen Metropolen wie etwa London. In der britischen Hauptstadt steht Kapital in einer ganz anderen Größenordnung zur Verfügung, dessen Investoren zudem auch dort sitzen (geschätzt etwa zehn Mal so viel wie in Berlin?). Aber die Anzahl der Start-ups, die in London gegründet und unterstützt werden, ist gar nicht so viel höher als in Berlin: 2014 zählte man in London 150 Finanzierungsrunden, in Berlin waren es laut CBInsights 91.

Lange Zeit wirkte die deutsche Hauptstadt wie ein Start-up-Hub ohne Finanzierungsinfrastruktur. Menschen aus aller Welt kamen zwar aus vielen Gründen nach Berlin, aber nicht unbedingt für die Finanzierung ihres Start-ups. Gründer wollten in Berlin ihre Unternehmen aufbauen, aber sie mussten sich auf Geldgeber von außerhalb stützen.

Das Kapital folgt den Köpfen

Doch die Zeiten haben sich geändert: Das Kapital folgt den Köpfen. Das ist sicher auch ein Grund dafür, warum sich mehr und mehr lokale Finanzierungsmöglichkeiten in Berlin auftun. Ich halte es für realistisch, dass ein Start-up heutzutage eine gute Seed-Finanzierung von ein paar Hunderttausend Euro bis in den Millionenbereich oder auch eine kleinere Series-A-Runde von bis zu zwei, drei Millionen Euro ausschließlich in und aus Berlin einsammeln kann. Und, das von Leuten, die wirklich wissen, was sie tun, und dabei sehr hilfreich sind.

Diese Entwicklung ist wichtig für Berlin als Tech-Start-up-Hub, weil es der Szene einen weiteren Schub geben wird. Gründer aus ganz Europa, besonders aus dem Osten und Süden, werden den Punkt „Finanzierung“ als wichtiges Argument, das für Berlin spricht, in ihre Pro-und-Contra-Liste für die Standortentscheidung aufnehmen können.