Rocket Internet rühmt sich mit einem Umsatzwachstum von mehr als 200 Prozent bei seinen Vorzeige-Start-ups – obwohl die meisten „Proven Winners“ immer größere Verluste machen.

Wenn Rocket Internet ausgewählte Zahlen zu seinen Start-up-Beteiligungen präsentiert, klingen die Aussichten stets bestens. Die sogenannten „Proven Winners“, wie der Berliner Inkubator seine Start-ups mit besonders hohen Umsätzen oder Finanzierungsrunden bezeichnet, haben auch im ersten Quartal 2015 wieder deutliche Umsatzsprünge hingelegt. Sie hätten sich „erwartungsgemäß entwickelt“ und „die enormen Marktchancen weiter genutzt“, schreibt Rocket Internet in einer Pressemitteilung am Mittwoch.

Die Zahlen lesen sich auf den ersten Blick tatsächlich gut: Der Umsatz von Rockets Vorzeige-Start-ups stieg seit dem Vorjahresquartal um 217 Prozent, die durchschnittliche Marge des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um fünf Prozent. Und von den zehn geplanten Gründungen für dieses Jahr hat der Start-up-Inkubator bereits sechs umgesetzt.

Zu anderen Zahlen schweigt Rocket Internet in seiner Mitteilung hingegen lieber. Die finden sich erst im Anhang wieder. Da wäre vor allem der Gewinn oder, wenn man es genau nimmt, der Verlust. Schon für das Jahr 2014 hatten die Start-ups ja tiefrote Zahlen geschrieben, insgesamt kamen sie auf ein Minus von mehr als 660 Millionen Euro. Das hat sich auch im ersten Quartal 2015 nicht geändert. Für die zehn „Proven Winners“, für die Rocket die Zahlen für Januar bis März ausweist, steht unter dem Strich ein Minus von insgesamt knapp 210 Millionen Euro.

Für den Lieferdienst Delivery Hero, das Lebensmittel-Start-up Hellofresh und den Amazon-Klon Jumia, die ebenfalls zu den Vorzeige-Start-ups zählen, weist Rocket allerdings keine Zahlen für das aktuelle Quartal aus.

Hohe Verluste, steigende Verluste

Sofern diese drei nicht berücksichtigen Start-ups nicht große Gewinne schreiben – nach den Zahlen von 2014 ist das eher unrealistisch –, erreicht das Minus der Rocket-Unternehmen allein im ersten Quartal also schon fast ein Drittel des Vorjahreswerts. Schaut man sich die Zahlen der einzelnen Firmen genauer an, stellt man fest, dass sich die Verluste bei einigen Start-ups sogar vergrößern.

Beispiel Foodpanda: Das Lieferdienst-Start-up, in das Rocket Internet erst Anfang des Jahres 37 Millionen Euro steckte und an dem sich der Inkubator damit die Mehrheit sicherte, verzeichnete im Gesamtjahr 2014 ein Minus von 33,6 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2015 waren es mit 18,6 Millionen Euro schon mehr als die Hälfte des Vorjahresverlusts.

Ähnliche Tendenzen lassen sich auch bei den Zalando-Klonen erkennen: Dafiti fuhr ein Minus von 18,8 Millionen Euro zwischen Januar und März ein (erstes Quartal 2014: minus 13,5 Millionen Euro), Jabong 16,4 Millionen Euro (erstes Quartal 2014: minus zehn Millionen Euro) und Zalora hat in den ersten drei Monaten 2015 mit einem Minus von 22,7 Millionen Euro schon knapp ein Drittel des Vorjahresverlusts von 68,7 Millionen Euro eingefahren.