An der Entscheidung für oder gegen einen Investor hängt für Start-ups viel. Worauf Gründer achten sollten, erklären vier Risikokapitalgeber aus der Innensicht.

Starkes Wachstum braucht starke Investoren: So argumentieren häufig sogenannte Venture-Capital-Gesellschaften (VC). Sie sammeln Geld von Investoren für einen gemeinsamen Fonds und finanzieren damit meist Start-ups in der Wachstumsphase – mehr als 2,1 Milliarden Euro sind Studien zufolge im vergangenen Jahr auf diesem Weg in die deutsche Szene geflossen. Gelingt die Auswahl der Risikokapitalgeber, entsteht so ein lukratives Geschäftsmodell: Im Gegenzug für ihr Investment erhalten sie eine Beteiligung an der jungen Firma. Schafft die dank des frischen Kapitals den Durchbruch, klingeln bei einem Verkauf der Firmenanteile die Kassen des Fonds.

Bevor jedoch so ein Deal zustande kommt, verbringen beide Seiten viel Zeit mit der Annäherung. „Investoren zu finden, funktioniert wie Dating – es kommt auf die persönliche Verbindung an“, sagte Jan Miczaika, Partner bei HV Holtzbrinck Ventures, in der vergangenen Woche bei der Digitalkonferenz Tech Open Air (TOA) im Funkhaus Berlin. In einer Podiumsdiskussion lieferten gleich vier Vertreter von Risikokapitalgesellschaften Einblicke aus der Innenperspektive auf eine entscheidende Frage: Worauf sollten Gründer achten, bevor sie sich für einen Risikokapitalgeber entscheiden? Denn so geschmeichelt sich mancher Jungunternehmer bei der Anfrage eines renommierten VCs auch fühlen mag: Bei der Wahl eines Finanzierungspartners ist Weitsicht angesagt.

1. Geschäftsabläufe verstehen

Nicht für alle Start-ups lohne es sich, Geld von VC-Fonds einzuwerben, sagte Gavin Teo, General Partner bei B Capital Group, mit Blick auf das eigene Geschäftsmodell. Denn die Finanzierung über Risikokapitalgesellschaften birgt Risiken, wenn Gründer zu leichtfertig Firmenanteile abgeben und die Eingriffsmöglichkeiten des Investors unterschätzen. In manchen Fällen sei es besser, die Kontrolle über die Firma in der Hand zu behalten, so Teo. Er rät Gründern dazu, sich intensiv über die internen Abläufe und Vorgehensweise des VCs zu informieren.

Dazu gehört auch: Nachzufragen, in welchem Umfang der Fonds schon anderweitig investiert ist, wie weit er also bereits ausgeschöpft ist. Dementsprechend könne sich der Umgang mit dem Start-up unterscheiden – wenn etwa zu schnell auf Profitabilität oder allzu rasantes Wachstum gepocht wird. Gespräche mit anderen Start-ups aus dem Portfolio des VCs lieferten hierzu wichtige Eindrücke.

2. Strategien abgleichen

Bevor sich Gründer auf einen VC einlassen, sollten sie genauestens prüfen, ob die jeweiligen Strategien harmonieren – so der Tipp von Ashley Lundström, verantwortliche Investorin bei EQT Ventures. Zu ihrem Investmentansatz passten am besten Unternehmer, die auf schnelles Wachstum abzielten. Dagegen warnte sie vor einem zu frühen Schulterschluss mit VCs: Start-ups sollten so lange wie möglich versuchen, aus eigener Kraft organisch zu wachsen – und sich erst für die Stoßzündung Risikokapital zu Hilfe holen: „We only put fuel on the fire“. Wenn es etwa darum geht, komplizierte Technik zu entwickeln oder große Unternehmen als Kooperationspartner zu gewinnen, können andere Risikokapitalgesellschaften viel besser passen.

3. Persönlich werden

Wie stark es auf eine motivierende Arbeitsatmosphäre ankommt, sieht Jan Miczaika, Partner bei HV Holtzbrinck Ventures, bei einer ganzen Menge an Deals: Holtzbrinck Ventures prüfe jährlich 4000 Businesspläne und schließe im Schnitt eine Finanzierungsrunde pro Woche ab. Selbst wenn die Verträge und Bedingungen fair seien, komme es in der Zusammenarbeit stark auf die jeweiligen Persönlichkeiten an, so Miczaika. Er empfiehlt deshalb, sich Referenzen unter den anderen Portfolio-Unternehmen des VCs einzuholen und im persönlichen Gespräch einen Eindruck von der Arbeitsatmosphäre zu gewinnen.

Die Geldgeber sitzen schließlich häufig mit in Strategiesitzungen oder rufen mit bohrenden Fragen an – wichtig, dass da eine offene Kommunikation möglich ist. Ganz konkret machte Uwe Horstmann, Gründungspartner bei Project A, seine Ansprüche an die Zusammenarbeit: Er komme am besten mit Gründern zurecht, die starken Lernwillen und Ambitionen zeigten – er lasse sich gern auf „nerdige“ Diskussionen ein, wenn der Input von den Gründern auch angenommen werde.