Das Start-up RetroBrain entwickelt Videospiele für Seniorenheime. Die Unterstützer reichen von der BarmerGEK über Philipp Lahm bis hin zum Chef des Wacken-Open-Air.

Seit einem Jahr wird in Deutschlands größtem Altersheim gezockt. Jede Woche versammeln sich die Senioren vor dem Fernseher und spielen virtuell Kegeln, Tischtennis oder fahren Motorrad. Möglich macht das die so genannte MemoreBox des Hamburger Start-ups Retrobrain, die Manouchehr Shamsrizi und sein Team entwickelt haben. Die Kiste kann an jeden Fernseher angeschlossen werden. „Man muss die Box nur anschalten, das macht auch den Pflegern wenig Arbeit“, sagt Shamsrizi. „Die Spiele trainieren den Gleichgewichtssinn und können so helfen, beispielsweise Sturzverletzungen vorzubeugen.“ Denn die Steuerung erfolgt allein über Körperbewegungen, die von einer Kinect-Kamera erkannt werden.

„Aktivitäten wie Karten spielen strengen den Kopf an, Gymnastik dagegen den Körper, die Videospiele sind eine gute Kombination aus beidem“, sagt Hartmut Clausen, Vorstandsvorsitzender des Hamburger Hospitals zum Heiligen Geist. Nachdem ein Gerät seit einem Jahr erfolgreich genutzt wird, will er nun Spieleboxen in allen neun Häusern seines Pflegekomplexes aufstellen.

Philipp Lahm, Eckart von Hirschhausen und Wacken-Gründer haben investiert

Auch die BarmerGEK glaubt an die positive Wirkung der Spiele. In einem Modellprojekt will die Kasse den Einsatz in etwa 20 Altenheimen im Hamburger Raum testen. Dabei wird die Wirksamkeit der Spielebox von Ärzten und Wissenschaftlern der Charité, des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf und der Humboldt Universität Berlin untersucht. „Wir sind das erste Start-up, das das neue Präventionsgesetz nutzt“, sagt Shamsrizi. Denn darüber wird das Projekt finanziert.

Das Start-up selbst hat die Entwicklung bisher durch Fördergelder und Business Angels finanziert. Auch dabei konnte Shamrizi illustre Namen überzeugen: So gewann der Metal-Fan den Organisator und Mitgründer des legendären Wacken-Open-Air Festivals, Holger Hübner, als Geldgeber. Weiterhin beteiligt sind beispielsweise Bayern-Kapitän Philipp Lahm, Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen und der frühere AOK-Bundesvorsitzende Jürgen Graalmann über ihr Projekt „BrückenKöpfe“. Derzeit ist Retrobrain für eine Series-A-Runde auf Investorensuche.

 

Steckbrief

Retrobrain

Team: Amadeus Waltz, Manouchehr Shamsrizi, Laurin Rötzer, Lukas Lavarrete, Jens Wiechers

Gründung: Ende 2014

Sitz: Hamburg

Finanzierung: durch Förderprogramme Exist, InnoRampUp und Business-Angels knapp 500 000 Euro