Beim Start-up Camp in Berlin geht es um’s Gründen. Wer die beste neue Idee hat, entscheidet sich im Pitch Marathon, 26 Gründer treten gegeneinander an. Eine Reportage.

Von Elisa von Hof

Jaime Candau entscheidet sich fürs Schreien. Seine Stimme schallt aus den Lautsprechern im vollen Hörsaal der Humboldt-Universität in Berlin. Alle gucken nach vorn, beobachten ihn, wie er auf und ab läuft, in die Hände schlägt, mit dem Finger aufs Publikum und auf die Leinwand hinter ihm zeigt. Wie er sich abmüht im Kampf um fünf Minuten Aufmerksamkeit für sich und sein Start-up. Denn statt Studierender sitzen heute Investoren und Business Angels im Publikum, die Geld investieren wollen – in Candaus oder in eines der 25 anderen Start-ups. Während des Pitch Marathon auf dem diesjährigen Start-up Camp treten sie im Minutentakt gegeneinander an.

Stunden davor: Das Start-up Camp des Bundesverbands Deutsche Startups, ein Branchentreff für Gründer und Investoren, läuft langsam an. Dass etwa 1000 Tickets verkauft wurden, merkt man um 9.30 Uhr, als sich der Berliner Campus nur langsam füllt, nicht. Mit dampfenden Kaffeebechern trottet man zum Audimax, hier und da wird die erste Visitenkarte aus der Hosentasche genestelt. Candau und sein Mitbegründer Ben Ickenroth sind noch nicht da, aber längst wach. Seit sieben Uhr sind sie auf den Beinen, haben noch zwei Meetings, ehe es zum Start-up Camp geht.

Technik funktioniert nicht einwandfrei

Sie verpassen die ersten Vorträge – etwa vom Gründungsexperten Patrick Stähler („Wir sollten nicht in hippen Produkten denken, sondern die Probleme der Verbraucher lösen“), der sich ärgert, dass seine Präsentation nicht abgespielt werden kann. Es ist das Erste einer Reihe von Technikproblemen, die im Laufe des Tages immer mal wieder auftreten. „Es ist eben ein Start-up-Event“, wird hier und da ironisch kommentiert.

Neben dem Pitch Marathon geben Gründungsexperten wie die Fernseh-Löwen Carsten Maschmeyer und Frank Thelen in Vorträgen und Paneldiskussionen Tipps. Da geht es um allerlei Spezielles wie Fintech, Wanderdarlehen, Crowdfunding, Guerillamarketing. Aber auch um die Zauberformel, wie man es bloß schafft, erfolgreich zu sein. Den eigenen Interessen folgen oder auf die der Kunden hören? Sich an einfache Ideen halten oder lieber Bestehende verbessern? Auf dem Podium gehen die Meinungen auseinander. TV-Investor Frank Thelen gibt den Hinweis: „Science the shit out of your Startup, um 10 mal besser als die Konkurrenz zu sein“, der 7-fache Gründer Claude Ritter meint: „Fokussier dich auf ein Ziel und hab immer einen Plan, sonst sagen dir deine Investoren, was du tun sollst“. Geht es auf der Bühne um die nächste große Idee, hört man immer mal wieder jemanden zum Nebenmann flüstern: „Das sind die FinTech-Jungs, die räumen jetzt so richtig ab.“